Richard Lourie

Sacharow

Eine Biografie
Cover: Sacharow
Luchterhand Literaturverlag, München 2003
ISBN 9783630880082
Gebunden, 640 Seiten, 30,00 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Norbert Juraschitz. Andrei Sacharow war einer der bedeutendsten Physiker des 20. Jahrhunderts, der Vater der sowjetischen H-Bombe; noch berühmter wurde er als führender Dissident der Sowjetunion. Für den Kampf um die Menschenrechte in seinem Heimatland wurde er mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet, von der Führung des Landes aber nach Sibirien verbannt. Richard Lourie, der Sacharows Erinnerungen ins amerikanische Englisch übersetzt hat, legt die erste umfassende Biografie über diese Monumentalgestalt des letzten Jahrhunderts vor. Gestützt auf viele Quellen - unter anderem die geheimen KGB-Papiere und Sacharows Korrespondenz - erzählt Lourie ein Leben, das aufs engste mit der Sowjetgeschichte verbunden ist.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 10.01.2004

Eine "willkommene Ergänzung" zur Autobiografie Andrei Sacharows (1921-1989) erblickt Christoph Güdel in Richard Louries Biografie über den Kernphysiker und Menschenrechtskämpfer. Lourie beschreibe zunächst den familiären Hintergrund Sacharows, das elitäre Milieu, aus dem er stammte, um dann auf seine Karriere als Kernphysiker und sein späteres Engagement für Menschenrechte einzugehen, das ihm 1975 den Friedensnobelpreis einbrachte. Güdel hebt hervor, dass Lourie Sacharows unablässiges Beharren auf Wahrhaftigkeit zu Recht in den Mittelpunkt stelle. Kritisch sieht er hingegen Louries negatives Urteil über Jelzin. Wie viele andere westliche Beobachter habe Lourie Jelzins zentrales Verdienst verkannt: den entscheidenden Beitrag zur definitiven Auflösung der Sowjetunion. Zudem moniert er einige Fehler, die auf Pannen und Ungenauigkeiten bei Übersetzung und Lektorat zurückführen sind. Insgesamt zeigt sich Güdel allerdings recht angetan von Louries "eindrücklichem und ausführlichem Porträt" des Humanisten und Wissenschaftlers Andrei Sacharow.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 25.09.2003

"Aufstieg und Fall der Weltmacht Sowjetunion sind gleichermaßen mit dem Namen Sacharow verbunden", schreibt Klaus Bednarz und ist froh, dass es jetzt eine Biografie gibt, die der Bedeutung des "Vaters der H-Bombe", der sein Land zur Supermacht werden ließ, und des Oppositionellen, der zum "Staatsfeind Nummer eins" des KGB wurde, gerecht wird. Richard Lourie zeichne zwar kein neues Bild des sanften, stillen Mannes, doch eines, "dass sehr viel präziser und um unzählige Facetten reicher ist als bisher bekannt". Dazu greife er auf Sacharows Erinnerungen und die Sekundärliteratur zur Dissidentenbewegung, aber auch auf zahlreiche bisher unerschlossene Quellen (Briefe, KGB-Akten) und auf eine große Anzahl persönlicher, offenbar sehr vertraulicher Gespräche mit Angehörigen - unter anderem Sacharows Witwe Jelena Bonner - und Freunden zurück. Lourie gelingt ein "ebenso intimes wie differenziertes Bild der Persönlichkeit Sacharows", eine anschauliche Beschreibung seiner zunehmenden Politisierung und die Herausarbeitung der christlichen Wurzeln seines Engagements für die Freiheit, lobt Bednarz. Zugleich entstehe "das Gemälde einer ganzen Epoche - die Geschichte Russlands und der Sowjetunion im 20. Jahrhundert".

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