Mit 59 Fotos auf Tafeln. Der Physikochemiker und Philosoph Robert Havemann gilt als einer der wichtigsten Vertreter der anderen Geschichte der DDR. Mit seinen berühmten Vorlesungen an der Berliner Humboldt-Universität, die unter dem Titel "Dialektik ohne Dogma" Anfang der sechziger Jahre erschienen, wurde er auf einen Schlag auch in Westeuropa bekannt.
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 29.11.2003
Eckhard Jesse war misstrauisch: Katja Havemann, die Witwe von Robert Havemann und Mitautorin dieses Buches, "wachte" nach eigenen Angaben "über die Richtigkeit der Darstellung"? Objektivität sei da nicht zu erwarten gewesen und werde auch nicht geliefert. Zumal, so Jesse, Havemanns Jahre als Spitzel - erst, direkt nach dem Krieg, für den sowjetischen Geheimdienst, dann für die Stasi - ausgespart bleiben und allein seine Jahre als Dissident und Bespitzelter Thema des Buches sind. Der Naturwissenschaftler Havemann, ein, mit Jesses Worten, "in der Wolle gefärbter Marxist", begann die DDR zu kritisieren, durfte nicht mehr publizieren, wirkte aber über den Umweg des Auslands weiter auf seine Heimat ein, während er selber Anlaufstation für Regimegegner und ausländische Journalisten wurde. All das und mehr werde in dem Buch nachgezeichnet, für das die Autoren meterdicke Stapel Stasidokumente durchsahen, doch bei aller Ereignisgeschichte, kritisiert Jesse, werden die "unausgegorenen politischen Vorstellungen" Havemanns nur am Rande thematisiert. Der Rezensent ist also nicht zufrieden und schließt: "Eine Entmythologisierung Havemanns steht weiterhin aus."
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 08.07.2003
Robert Havemanns Kampf gegen die SED-Bürokratie ist nur vordergründig das Thema dieses Buches, meint Martin Jander. In Wirklichkeit mache es zur gleichen Zeit die Vorgeschichte der DDR-Friedensbewegung verständlich. Havemanns Einfluss auf die Intellektuellen und ihre politische Entwicklung in Menschenrechtsfragen wurde noch nie vorher so deutlich beschrieben, und das Buch sei schon deshalb lesenswert, bekräftigt der Rezensent. Im Kampf um seine Meinungsfreiheit sei Havemann zum "Erfinder der Menschenrechtsopposition in der DDR" geworden und habe die DDR so um ihre moralische Legitimität gebracht, wie die Autoren zeigten. Allerdings bedauert Jander, dass Havemanns Lebensgeschichte "nicht in ihrer ganzen Dramatik erzählt" wird. So vermisst er Informationen über seine politischen Aktivitäten in der Weimarer Republik, wo er eine Widerstandsgruppe gründete und Juden zur Flucht aus Deutschland verhalf.
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