"Wir stritten uns mit K. übrigens etwas über die Mauer" hält Christa Wolf fest, als sie im Juli 1965 um Mitternacht mit Lew Kopelew und ihrem Mann Gerhard an der Grenze entlang nach Hause fährt. Gerade hatte sie den russischen Germanisten beim Abendessen in Ost-Berlin kennengelernt. Trotz der Meinungsverschiedenheit erhält Christa Wolf 1969 den ersten Brief von Kopelew. In Moskau gilt er seit Ende der 1960er Jahre als "das schwärzeste Schaf", darf nicht publizieren, nicht auftreten. Fernab der Machtzentrale aber kann er Vorlesungen halten und "verdolmetscht" die neuesten Texte von Christa Wolf. Die jungen Leute in den Sowjetrepubliken sind, wie Kopelew selbst, begeistert. Sie schätzt ihn bald als einen ihrer ersten kritischen Leser, nennt ihn ihren "Ermutiger". Die Briefe der beiden "Seelenverwandten" drehen sich in der Hauptsache um Literatur - um gelesene Bücher und eigene Texte im Arbeitsprozess, um verschenkte Bände und Weisheiten der Klassiker.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 28.11.2017
Martin Oehlen erkennt die tiefe Verbundenheit von Christa Wolf und Lew Kopelew durch das gemeinsame Lebensthema der deutschen Sprache und die Erfahrung von Vertreibung und Entwurzelung. Der Briefwechsel der beiden ist aber auch von Spannung geprägt, meint er, von unterschiedlichen politisch-ideologischen Auffassungen. Dass das freie Wort in den Briefen aus Gründen der Sicherheit weitgehend ausgespart bleibt, scheint Oehlen etwas zu bedauern. Bezeichnend für die "real existierende" Unfreiheit, meint er. Wie vor allem Kopelew das Werk seiner Briefpartnerin lobt, scheint dem Rezensenten dagegen auffällig.
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