Richard Overy

Hiroshima

Wie die Atombombe möglich wurde
Cover: Hiroshima
Rowohlt Berlin Verlag, Berlin 2025
ISBN 9783737102247
Gebunden, 240 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Henning Thies. Mit dem Atombombenabwurf auf Hiroshima und Nagasaki im August 1945 wurde der Zweite Weltkrieg auf beispiellos zerstörerische Art beendet. Das Ereignis gilt bis heute als historische Zäsur, es hat die Welt für immer verändert. Doch wie konnte der Einsatz einer Bombe, durch die Hunderttausende Zivilisten starben, zur Kriegsstrategie werden? Wie konnten Wissenschaftler, Politiker und Militärs eine Massenzerstörung befürworten, die sie vor Beginn des Krieges nie unterstützt hätten? Der Zeithistoriker Richard Overy rückt mit seiner Darstellung die dramatische Endphase in ein neues Licht: vom Flächenbombardement Tokios bis zu diesem letzten schrecklichen Höhepunkt des Krieges. Er betrachtet nicht nur die westliche, sondern auch die japanische Perspektive, beleuchtet neben den militärischen auch die politischen und kulturellen Voraussetzungen, die zum Atombombenabwurf führten, und zeigt, wie das Ereignis den Blick auf kriegerische Konflikte bis heute bestimmt.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 06.08.2025

Achtzig Jahre nach dem amerikanischen Atombombenabwurf auf Hiroshima und Nagasaki veröffentlicht der britische Historiker Richard Overy eine präzise, gut recherchierte Dokumentation mit Zukunftsrelevanz, versichert Rezensent Wolfgang Stenke Besonders lobenswert sei, dass Overy die Hintergründe des Atombombenabwurfs fundiert analysiere und die militärischen, politischen und kulturellen Motive verständlich mache, ohne zu urteilen. Er zeige, dass der Einsatz der Bombe nicht allein zur Kapitulation Japans führte, sondern Teil einer eskalierenden Gewaltspirale war; geprägt von strategischem Kalkül, Rassismus und moralisch fragwürdigem Umgang mit zivilem Leid, so Stenke. Overy beleuchte die Strategiedebatten aus einer reflektierten Perspektive und stütze sich dabei auch auf japanische Quellen. Seiner Analyse zufolge habe die Forschung bislang die Verfassungsstrukturen und die politische Mentalität Japans vernachlässigt. Begriffe wie "Niederlage" oder "Kapitulation" hätten im Denken der japanischen Führungseliten kaum eine Rolle gespielt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 04.08.2025

Rezensent Cord Aschenbrenner lobt Richard Overys Analyse des Kriegsendes als "dicht" und "souverän". Der Historiker widerspricht der gängigen These, dass allein die Atombombenabwürfe Japan zur Kapitulation zwangen. Overy zeigt, dass bereits die verheerenden Flächenbombardements, etwa die Operation Meetinghouse im März 1945 mit mehr als 100.000 Toten, eine Friedensfraktion in Japan entstehen ließe, die von den USA allerdings unbemerkt blieb. Außerdem, lesen wir, fiel in japanischen Kreisen nie das Wort Kapitulation, da dieses den Japanern schlichtweg unbekannt war. Ein Drittel des Buchs widmet sich der Eskalation des Luftkriegs, die laut Overy den "Boden für Hiroshima" bereitete. Auch politische und militärische Motive wie Rachegedanken und das Streben der US-Luftwaffe nach Eigenständigkeit beleuchtet er präzise, lobt der Kritiker. Das 190-seitige Werk korrigiere vereinfachende Mythen, nach denen die Atombombe unausweichlich war, schließt Aschenbrenner. 

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 02.08.2025

Rezensent Michael Hesse lobt Richard Overys Buch - trotz der abartigen Gewalt, die darin thematisiert und analysiert, aber auch explizit beschrieben wird: es geht um den Abwurf der Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki im August 1945, und der Kritiker zitiert die Beschreibungen des britischen Historikers, die die unmittelbaren Folgen aufleben lassen: abgefetzte Haut, schmelzende Organe, ins Fleisch versenkte Grashalme. Zahlen liefere Overy auch; die Strahlung war 900mal so stark wie die der Sonne, 92 Prozent der Stadt wurden vernichtet, die Feuerstürme waren bis zu 60 km/h schnell, liest Hesse. Vor allem hebt er aber hervor, dass Overy der Frage nachgeht, warum der Abwurf damals aus US-Perspektive als "notwendig" angesehen wurde und wie hier "kühle Kosten-Nutzen-Kalkulationen" griffen - im Kontext des vorher schon bitterlich mit Brandbomben geführten Krieges, die im Nachhinein von Vertretern der japanischen Regierung sogar als wesentlich schwerwiegender für das Gefühl der Niederlage eingeordnet wurden, wie Overys Buch dem Kritiker ebenfalls verdeutlicht. Für Hesse eine gelungen perspektivierte und "erstklassige Darstellung".

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 20.06.2025

Rezensent Gerrit Stratmann empfiehlt das Buch des britischen Historikers Richard Overy. Der Autor räumt laut Stratmann knapp, aber inhaltlich dicht mit dem Narrativ auf, demzufolge die Atombomben auf Nagasaki und Hiroshima den Krieg beendet hätten. Damit erinnert er daran, Kriegsrhetorik und Kriegsgründe zu hinterfragen, meint der Rezensent. Dass der Band die japanische Sicht auf die Ereignisse berücksichtigt und den Rassismus und den Ehrgeiz der USA für einen Militärschlag aufzeigt, findet Stratmann lobenswert, auch wenn die Frage nach der kriegsentscheidenden Wirkung der Bombe eher beiläufig beantwortet wird.

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