Gefährliche Rivalitäten
Wirtschaftskriege - von den Anfängen der Globalisierung bis zu Trumps Deal-Politik

Rowohlt Berlin Verlag, Berlin 2025
ISBN
9783737102162
Gebunden, 320 Seiten, 25,00
EUR
Klappentext
Dass die bislang geltende Weltordnung an ihr Ende gekommen ist, zeigt sich nicht nur an zunehmenden Kriegen und Eskalationen, sondern auch an sich verschärfenden Handelskonflikten - am dramatischsten und weitreichendsten zwischen China und den USA, jüngst aber vor allem mit Russland. Werner Plumpe führt uns vor Augen, wie die Geschichte immer schon von wirtschaftlichen Rivalitäten geprägt war, die nicht selten in offene Kriege mündeten - von der Eroberung der Neuen Welt und den Anfängen der Globalisierung über das Zeitalter des Kolonialismus, die Entstehung von Nationalstaaten und die bipolare Weltordnung des Kalten Kriegs bis in die hypervernetzte Welt von heute. Ob Gold, Öl, Baumwolle, Kakao oder Getreide: Die Suche nach lukrativen Rohstoffen zieht sich wie ein Band durch die Jahrhunderte, und immer zeugt sie davon, dass sich ökonomische Interessen auf komplexe Weise mit Fragen nationaler Identität, kulturellen Ideen und machtpolitischen Strategien überlagern.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 20.08.2025
Auf die Frage, ob Wirtschaftskrieg erfolgreich sein können, bekommt Rezensent Thomas Ribi im neuen Buch von Werner Plumpe eine gemischte Antwort. Plumpe dekliniert die Frage an unterschiedlichen historischen Beispielen durch: Während es England im 17. Jahrhundert gelang, die Niederlande als konkurrierende Wirtschaftsmacht mit Zöllen und Sanktionen zu schwächen - ein Konzept, für das Thomas Mun 1630 die theoretischen Grundlagen niederschrieb und auf das der spätere Merkantilismus zurückgeht - waren die napoleonischen Zollkriege später eine große Katastrophe. Plumpe merkt allerdings an, dass es sehr lange dauerte bis England zur größten Seemacht geworden war. Außerdem ging der Erfolg in Form der Steigerung des eigenen Reichtums und der Wirtschaftskraft nicht hauptsächlich auf die Handelsbeschränkungen zurück, sondern verdankte sich dem "wirtschaftlichen Strukturwandel", den die englische Industrie unterlief. Sicher ist für Plumpe, resümiert Ribi: Wirtschaftskriege bergen immer ein hohes Risiko, ihr gelingen ist von vielen anderen Einflüssen abhängig. Deshalb lasse sich auch kaum sagen, ob Donald Trump mit seinen Zollverordnungen das gewünschte Ergebnis erreichen wird - jedenfalls nicht, wenn das die einzige Maßnahme bleibt, schließt der Kritiker.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.05.2025
Rezensent Stephan Speicher lässt sich von Werner Plumpe einiges Interessantes über die Geschichte und Gegenwart von Handelskriegen erklären. Der Historiker blickt auf diverse vergangene Handelskriege und sucht nach Mustern - ein wichtiges, das er ausfindig macht, ist, dass Handelskriege meist beiden Seiten schaden, lernt der Rezensent. Nur junge Volkswirtschaften hätten gelegentlich Vorteile von Strafzöllen, wie sich mit Blick auf die USA des 19. Jahrhunderts zeigt, während der Aufstieg Großbritanniens und auch Deutschlands zu ökonomischen Weltmächten gerade auf Freihandel beruhte. Was heißt das nun für die Ära Trump? Plumpe sieht durchaus positive Seiten an der Politik des derzeitigen Präsidenten, tatsächlich gab es ein Ungleichgewicht insofern, als die USA Ordnungsleistungen erbrachten, von denen andere Länder ohne eigenes Zutun profitierten, außerdem könnte der Plan, ausländische Unternehmen zwecks Konkurrenz in die USA zu locken, aufgehen. Andererseits zeigt Plumpe Speicher zufolge, dass Erfahrungswissen notwendig ist, um im gegenwärtigen Weltmarkt zu reüssieren, und die Trump'sche Sprunghaftigkeit kann da kaum von Vorteil sein. Insgesamt also eine ambivalente Darstellung und historische Einordnung der Trump'schen Handelspolitik.