Herausgegeben von Stefan Schenk und Walter Werbeck. 2. und 3. Fassung (synoptische Edition). Mit gleich drei Fassungen unterscheidet sich Strauss' erste Tondichtung von sämtlichen folgenden Orchesterkompositionen. Auch unter den Bühnenwerken und sonstigen Stücken aus seiner Feder gibt es keines mit einer derartigen Entstehungs- und Publikationsgeschichte. Hinzu kommt, dass bei Macbeth allein die letzte Fassung zählt. Nur von ihr existieren denn auch neben der autographen Partitur weitere Quellen. Dagegen ist die zweite Version lediglich im Partiturautograph sowie im autographen Klavierauszug erhalten (Orchesterstimmen, die es ebenfalls gegeben haben muss, haben sich nicht erhalten). Gedruckt wurde sie nie, sondern durch die publizierte dritte Fassung ersetzt. Die beiden erhaltenen Macbeth-Fassungen sind demzufolge nicht als gleichrangig zu betrachten. Anders als etwa im Falle von Ariadne auf Naxos, deren frühere Version, die zunächst allein präsent war, auch von der bald dominierenden späteren nie ganz verdrängt wurde, ist bei Macbeth die letzte, dritte Fassung für die Praxis die allein maßgebliche.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 30.05.2017
Rezensent Michael Stallknecht freut sich über die ersten beiden Bände der kritischen Gesamtausgabe der Werke von Richard Strauss. Der Rezensent wundert sich zwar, dass die Ausgabe derart spät erscheint, hofft aber, dass die Edition dazu beiträgt, das Bild des "konservativen Komponisten", der sich ganz der Publikumsgunst verschrieb, zu revidieren. Ohnehin erlebt Stallknecht Strauss in den von der Münchner Ludwig-Maximilian-Universität herausgegebenen ersten Bänden zunächst den avantgardistischen "jungen Revolutionär", der nicht viel auf Autoritäten gab: Dank der hier abgedruckten zweiten und dritten Fassungen von "Macbeth" kann der Kritiker dem Komponisten geradezu beim Lernen zusehen. Dass mit dieser Werkausgabe eine Onlineplattform eingerichtet wurde, die etwa Kritiken zu den Uraufführungen, Korrespondenzen oder den gesamten kritischen Bericht zu den Bänden bietet, ist laut Stallknecht ein großer Gewinn.
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