Richard Swartz (Hg.)

Der andere nebenan

Eine Anthologie aus dem Südosten Europas.
Cover: Der andere nebenan
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2007
ISBN 9783100725349
Gebunden, 342 Seiten, 28,00 EUR

Klappentext

Was wissen wir vom Balkan? Seit der Auflösung Jugoslawiens gilt Südosteuropa fast nur noch als Konfliktherd voller Streit, Gewalt und unversöhnlicher Feindschaft. Aber vielleicht spiegelt diese Vorstellung eher unsere Unkenntnis und unsere Vorurteile wieder als die Wirklichkeit. Ist der Nachbar nebenan Freund oder Feind? Zu dieser Frage haben sich 22 der bekanntesten Autoren aus Albanien, Bulgarien und dem ehemaligen Jugoslawien in Form von biographischer Erinnerung, Erzählungen oder Essays zu Wort gemeldet. Das Buch erscheint gleichzeitig in fünf Ländern und allen Sprachen der Beiträger.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 04.01.2008

Gegenwartsprosa aus Südosteuropa? Für Christoph Schröder klingt die Umschreibung des Herausgebers Richard Swartz nach Tiefstapelei. Wenn die 21 Autoren des Bandes die Überschneidungen von Gut und Böse oder den Umschlag vom Individuellen zum "politisch motivierten "Ihr" beschreiben, geht es für Schröder um Erklärungssuche. In den Texten, deren Qualität er für unterschiedlich hält, spürt er die Unruhe eines zerrütteten Selbstverständnisses. Die historischen Überlegungen zu Krieg und Verantwortung, die die Anthologie bietet, werfen laut Schröder zwar "erhellende Schlaglichter" auf den Balkan. Sein Rätsel lösen sie aber nicht.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 12.12.2007

Karl-Markus Gauß hat in dieser Anthologie, in der der schwedische Herausgeber Richard Swartz Prosatexte von im Exil lebenden südosteuropäischen Schriftstellern versammelt hat, vor allem Spuren des Krieges, "Melancholie und Trauer" gefunden. Gauß haben die Texte insgesamt überzeugt und beeindruckt, und er stellt fest, dass der Krieg und seine Folgen in den meisten eine tragende Rolle spielt. Erschreckend und beeindruckend fand er die Erzählung vom heute in Kanada lebenden serbischen Autor David Albahari, der die Wandlung eines Jugendlichen vom erschütterten Zuschauer furchtbarer Grausamkeiten über völlige Abgestumpftheit bis zu selbst verübten Gräueltaten beschreibt. Ein bisschen Erholung davon fand der von den Prosatexten berührte Rezensent dafür in Dimitre Dinevs witziger Erzählung über einen christlich-muslimischen Friedhof in Bulgarien, die allerdings, wie Gauß feststellen muss, ebenfalls nicht in einen "ermutigenden Ausblick" von geglücktem Nebeneinander mündet.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.11.2007

Sichtlich beeindruckt ist Michael Martens von dieser von Richard Swartz herausgegebenen Anthologie, die Geschichten von einundzwanzig Autoren aus Albanien, Bulgarien und dem ehemaligen Jugoslawien versammelt. Zwar findet er darunter auch einige Texte, die ihm eher misslungen scheinen. Die meisten aber haben ihn überzeugt. Neben Slavenka Drakulics Familiendrama über ein Mädchen, das im Fernsehen ihren Vater sieht, wie er gefesselte Männer erschießt, schätzt er David Albaharis Geschichte über die Vorboten des Kriegs, der bald über ein Dorf hereinbrechen wird, in dem die zukunftigen Täter und Opfer noch friedlich zusammen leben. Außerdem hebt er die Geschichte von Fatos Kongoli hervor sowie die Texte von Aleksandar Hemon und Miljenko Jergovic, die sich "meisterhaft" auf die "Dekonstruktion von Identitäten" verstünden. Auch wenn Martens sich nicht der Illusion hingibt, dieser Band helfe den Balkan zu verstehen, erscheint er ihm sehr bemerkenswert. Besonders lobt er auch das Nachwort des Herausgebers und bescheinigt ihm, "wichtige Arbeit" geleistet zu haben. Fest steht für Martens jedenfalls: "Auf höherem Niveau als in diesen Texten kann man sich nämlich kaum verwirren lassen vom Balkan."
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