Mit seinen zuletzt erschienenen Werke Tage mit Gombrowicz und Hiob und Heine hat sich Eörsi in die erste Reihe der ungarischen Gegenwartsliteratur geschrieben. Sein schriftstellerisches Temperament entzündet sich am Aktuellen, er ist ein mutiger Publizist, ein angriffslustiger, perspektivischer Denker, der keine Tabuthemen, keine Debatte, keine Feindschaften scheut. Die Sammlung seiner Essays, Reflexionen und Polemiken aus den neunziger Jahren, denen Porträts intellektueller Freundschaften an die Seite gestellt werden, liest sich wie ein scharfsinniger Kommentar zu den Erfahrungen der Epoche. In seiner Auseinandersetzung mit dem Ende der kommunistischen Ära 1989 und den neuen Nationalismen, mit dem Auseinanderbrechen Jugoslawiens, den Kriegen auf dem Balkan und dem ungarischen Antisemitismus verfolgen wir den schwierigen Weg Mitteleuropas ins 21. Jahrhundert.
Im Perlentaucher:
Rezension Perlentaucher
An den Texten des1931 geborenen ungarischen Autors und Essayisten Istvan Eörsi reizt immer wieder sein Witz, sein hoch entwickelter Sinn für die Freuden das Paradoxen. "Der rätselhafte Charme der Freiheit - Versuche über das Neinsagen" heißt eine Sammlung seiner Essays. Sie erschienen ursprünglich zwischen 1985 und 2003. Es macht Spaß, sie wieder zu lesen. Sie haben nichts von ihrer Widerspenstigkeit, von ihrer heiteren Klarheit verloren. Die Patina, die sich auf sie gelegt hat, hat ihnen nichts von ihrer beharrlichen Zudringlichkeit genommen. Sie sind nicht nur noch ebenso stark wie damals. Sie haben an Stärke zugenommen. Denn heute sind sie auch Ausdruck, Dokumente einer Zeit, einer verschwundenen Art zu denken und zu argumentieren. Man lese aus dem Jahre 1985 "Der Sowjetmensch: ein verlorenes Vorbild"... Lesen Sie mehr in Arno Widmanns 'Vom Nachttisch geräumt'
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 18.09.2003
Sehr angetan zeigt sich Thomas Grob von diesem Band mit Essays, die zwischen 1985 und 2002 für verschiedene deutsche Zeitschriften entstanden sind. Er preist den ungarischen Autor als "begnadeten Essayist", wobei für ihn der besondere Wert der Texte nicht unbedingt in bezwingender Argumentation oder sprachlicher Brillanz liegt, sondern in der "Authentizität" die für ihn den Ton der Texte ausmachen. Die Essays, die die politischen Situation Ungarns, die Kriege seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion und einzelne "intellektuellen Zeitgenossen" in Form von Porträts behandeln, sind "durch und durch politisch", meint Grob, der darin eine gegenläufige Tendenz zum Postmodernismus erkennt. Ihn beeindruckt es, dass Eörsi sich in seinen Texten nicht "scheut", auch eigene "stalinistische Jugendsünden" zu benennen und findet überhaupt, dass sie von der "Augenzeugenschaft" des Autors leben. Obwohl sich Eörsi als scharfsinniger, "brillanter Beobachter" erweist und sich auch um Distanz zu seinen Themen bemüht, sind manche Texte, wie das Porträt von Lukacs, "geradezu anrührend", so Grob feinfühlig, wobei er in dem "Neinsagen" des Untertitels eine "Sehnsucht nach dem Ja" zu erspüren vermeint.
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