Der Autor, Mediziner unter einem Pseudonym, behandelt hier einen maßgebenden Teilaspekt der Verträglichkeitskrise zwischen Mensch und Leben: die zerstörerischen Einflüsse, welche vom Lärm der Moderne ausgehen. Er weist nach, dass Stille für genuines Denken unverzichtbar wäre, andererseits hält er vor Augen, wie geradezu süchtig wir nach Tönen und Geräuschen sind. Diese beiden gegenläufigen Tendenzen führen zwingend zu dem Schluss, dass das Projekt "Geist" als gescheitert betrachtet werden muss. Was ihm ein weiteres Argument liefert für die Erkenntnis, dass damit auch der Mensch gescheitert ist.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 12.01.2002
Hier haben sich ein Autor und sein Rezensent offenkundig gefunden: des pseudonymen Verfassers wütende Attacken gegen unsere "akustische Zwangsgesellschaft", ja die "akustische Terrorisierung" unterstützt LL. aus ganzem Herzen. Gezeichnet werde in der Polemik ein "Lärmbild der Welt", der Vorschlag zur Remedur ist so schlicht wie radikal: Beseitigung des Menschengeschlechts, dann ist Ruhe. Ein Problem freilich diagnostiziert der Rezensent beim Buch, ein womöglich fatales: der Text kommt selbst alles andere als ruhig daher, "das Piano, gar Pianissimo" ist ihm fremd. An der "schneidenden Präzision" des Buches scheint das dann aber doch nichts zu ändern.
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