Was ist los in der Malerei hundert Jahre nach der Erfindung der Formensprache des 20. Jahrhunderts mit Picassos Demoiselles d'Avignon (1907)? Wie reagieren Künstler auf den Umstand, dass dieses jahrhundertelang in der westlichen Kunst hegemoniale Ausdrucksmittel zu einem minderheitlichen Medium abgestiegen ist, seit mechanische und digitale Reproduktionstechniken den Alltag und die aktuelle Kunst beherrschen? Wer sind die künstlerischen Väter (und Mütter) des 21. Jahrhunderts, gegenüber Cezanne, Gauguin, Seurat und Van Gogh ab 1905? Welche Schlüsse ziehen Malerinnen und Maler aus der Raum- und Zeiterfahrung dieser neuen Welt auf die Darstellung von Raum und Zeit in ihren Bildern?
Bereitwillig folgt Ingo Arend den Thesen des Kunsthistorikers Robert Fleck zur Renaissance der Malerei. Ob Doig, Brown oder immer wieder Baselitz - Evidenzen gibt es genug. Drum legt der Autor nach mit Foucault und Deleuze und formuliert gut poststrukturalistisch eine posthegemoniale Situation der Malerei herbei, in der diese frei flottierend in die Dreidimensionalität vorstoßen und das Neue hervorbringen kann. Hm, meint Arend. Analytisch findet er das durchaus überzeugend, auch als Propädeutik zur Historie der abstrakten Moderne. Wenn Fleck allerdings sein Raumparadigma generalisierend auf die gesamte Kunst ausdehnt, sieht Arend den Autor als einen die Fotografie als Leitmedium ausblendenden Schützenhelfer des Kunstmarktes.
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