Zerfall und Aufbruch kennzeichnen geradezu leitmotivartig die Thematik der österreichischen Literatur des 20. Jahrhunderts, die hier anhand repräsentativer Einzelstudien vorgestellt wird. Das so entstehende Bild setzt an bei dem sich schon um die Jahrhundertwende abzeichnenden Zerfall des habsburgischen Österreich, der den Hintergrund für die besprochenen Werke Franz Werfels, Stefan Zweigs, Hermann Brochs, Joseph Roths und Soma Morgensterns aus der ersten Jahrhunderthälfte abgibt; dennoch zeigt sich schon zur gleichen Zeit gerade im dichterischen und theoretischen Schaffen Brochs jene andere Tendenz des Aufbruchs, neuer Hoffnung, die diesen Zerfall zu transzendieren trachtet und ihre Fortsetzung nicht nur bei Canetti, György Sebestyéns oder Soma Morgenstern findet, sondern auch in der Öffnung hin zu einem neuen Universalismus bei den Gegenwartsliteraten Matthias Mander und Karl Lubomirski.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 24.02.2001
In seiner kurzen Besprechung macht "haj" zweierlei deutlich: dass die österreichische Literatur wie kaum eine andere geprägt ist von "einem welthistorischen Umbruch" - und dass der vorliegende Band ebendiesen Umstand hervorzuheben weiß. Durch die Thematisierung einer "Unterminierung überlieferter Werte" in den Erzählungen Schnitzlers und Werfels, die Problematisierung verklärender Rückschauen auf die verlorene Heimat bei Stefan Zweig und Joseph Roth oder der hellsichtigen Epochenanalysen eines Hermann Broch, schreibt "haj", würden die Beziehungen zwischen Wertzerfall, Dichtung und Gesellschaft vor und nach dem zweiten Weltkrieg untersucht. Weitere Autorenporträts gestatteten sowohl einen Blick auf jüdische Erfahrungen im 20. Jahrhundert als auch auf die Gegenwart.
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