Autoritäre Populisten trumpfen auf. Desinformation und Fake News grassieren. Und der Journalismus, der dem wehren sollte? Er kommt aus der Krise nicht heraus. Es gibt zwar mehr Medien, aber immer weniger Mittel für den Journalismus. Verlage wollen ihre Einbußen wettmachen, indem sie noch mehr laute Meinungen und Soft-Themen bringen. Doch die "Boulevardigitalisierung" nützt just den Populisten, die sich derselben Stilmittel bedienen: Zuspitzung, Skandalisierung, Aufregung. Roger de Weck kennt den Journalismus in allen Facetten - als Zeitungsmacher und Rundfunkchef, Reporter und Moderator. Und er macht sich Sorgen, weil die Gesetze des Medienbetriebs und die des Journalismus immer weiter auseinanderlaufen. Dagegen setzt de Weck auf das "Prinzip Trotzdem": Recherchieren, abwägen, sich treu bleiben - trotz Sparmaßnahmen, trotz X & Co. Doch wie geht das? Der Autor zeigt, wie sich Journalismus stärken lässt. Denn ohne diesen wertvollen Spielverderber läuft das Spiel nicht in der Demokratie.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.12.2024
Rezensentin Katharina Teutsch liest Roger de Wecks Plädoyer für die Rettung des Journalismus mit gemischten Gefühlen. Einerseits behagt ihr de Wecks Kulturpessimismus, dem ein mitunter etwas altväterlicher Idealismus gegenübersteht, nicht. Andererseits findet sie de Wecks Vorschläge, die von der Annahme eines engen Zusammenhanges zwischen Journalismus und Demokratie ausgehen, durchaus diskutabel. Dass Stiftungen junge Journalisten-Talente fördern könnten und der Staat bzw. die EU soziale Medien regulieren sollten, wie der Autor findet, erscheint Teutsch sinnvoll.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 31.10.2024
Ist dieses Buch wirklich so schematisch, wie es Lucien Scherrer in seiner polemischen Besprechung darstellt? Für Scherrer schnurrt diese Auseinandersetzung mit dem Zustand der Medien und des Journalismus ausschließlich auf eine Rechts-Links-Masche zusammen: De Weck, so stellt es Scherrer dar, tut alles, was ihm an der aktuellen Medienlandschaft nicht passt, als "rechts" ab. Er konstatiere eine wirtschaftliche Krise der Medien, aber auch eine Krise des Selbstverständnisses einst stolzer Medienhäuser und werfe den privaten Medienmachern vor, aus Klickgeilheit nach rechts abzurutschen. Dagegen setze De Weck nur eins: den idealisierten Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk und die Idee, Medien vom Staat fördern zu lassen. Ob De Weck tatsächlich Substanzielles zur Medienkrise sagt, die ja nun wirklich nicht zu leugenen ist, lässt Scherrer offen. Auf De Wecks Ausführungen über die sozialen Medien und das Internet geht der Kritiker gar nicht ein. Die trotzdem ein wenig ausführlich geratene Kritik liest sich ein wenig wie die Retourkutsche eines der von De Weck kritisierten Medien.
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