Ein Roman über die "Schuldgeneration", ihre Auseinandersetzung mit der Schuld unserer Eltern oder Großeltern, über individuelle und gesellschaftliche Ängste, das Fortwirken von Bildern, Stimmen, Traumata und die Latenz der Gewalt und des Bösen. Im Mittelpunkt steht eine Frau aus einer Großstadt, die Familie und Beruf abrupt aufgibt: Mitten im Herbst fährt Mariana an die holländische Nordseeküste, um über ihr Leben nachzudenken. In einem abgelegenen Haus schreibt sie Vergangenes auf. Dabei wird ihr bewusst, dass sie den Alltag mit den materiellen, brutalen Zwängen nicht mehr erträgt, die gleichermaßen ihre Familie und ihre Seele zerstören. Sie fühlt sich verjagt von einer Stimmung, die sie seit ihrer Kindheit bedroht. Überall findet sie Spuren einer nicht zu Ende gekommenen Schuld aus der deutschen Vergangenheit.
Jochen Schimmang berichtet von einem seltenen Glück: Ein Rezensent, der das soeben ausgelesene Buch gleich noch einmal beginnen möchte. So erging es ihm mit diesem Roman von Roland E. Koch, ein Autor, der für Schimmang zu den ganz Großen gehört, seine Bücher, findet er, müssten Bestseller sein. Und Schimmang verrrät, wieso. Die uns allen bekannte Sehnsucht nach dem richtigen Leben sei das Thema, das Koch mit viel Gefühl fürs Tragikomische verhandle. Die Art und Weise, wie er das macht, findet Schimmang nicht weniger beeindruckend. Zeigend, bedächtig, parataktisch, wie in einem Petzold-Film. Im vorliegenden Buch kommt eine Leichtigkeit hinzu, die den Rezensenten angesichts des Plots (Frau und Mutter verlässt Familie und Vergangenheit) überrascht. Und dann die erzählerischen Mittel. Koch beherrscht sie tadellos, wenn wir Schimmang glauben wollen: Rhythmus, Tempo, Perspektivik, Bildlichkeit - dieser Mann macht alles richtig.
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