In einer Nacht inmitten des Weltkrieges wacht der reiche Industrielle Kalm auf und glaubt, einen brutalen Raubmord begangen zu haben. Seine Versuche, die Polizei von seiner Schuld zu überzeugen, scheitern. Trotzdem will er nicht an seine Unschuld glauben...
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 28.07.2010
Die abenteuerliche Reise des Manuskripts kann sich Judith von Sternburg auch gut als Teil der Romanhandlung vorstellen. Was gut 60 Jahre nach seinem Entstehen jetzt überarbeitet und gekürzt vorliegt, hält sie noch immer für ein Trumm von einem Text, ausufernd, aber das muss so sein, schreibt sie. Ernst Kaiser erzählt die Geschichte eines Irrsinns, und die Rezensentin erkennt schnell, es ist der Irrsinn der Zeit, nicht der Figur. Schön expressionistisch zeichnet Kaiser laut Sternburg die Großstadt, Gestalten wie von Grosz in einer Bar, und alles scheint aus dem Lot. Doch lesen lässt sich das anscheinend ganz gut.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 10.03.2010
Die Wiederentdeckung des Romans in den fast unergründlichen Tiefen der Marbacher Archive hält Oliver Pfohlmann für eine kleine Sensation. Um so mehr, als ihm Ernst Kaisers über 1000 Seiten schwerer Text in der nun vorliegenden gestrafften Fassung von Ingrid Bacher als veritabler Psycho-Krimi a la David Lynch erscheint. Anklänge an Poe, Schnitzler und Perutz entdeckt Pfohlmann auch in der Geschichte eines schizophrenen Zerfalls. Und natürlich Freud. Wie dem Helden die Wirklichkeit und das eigene Ich abhanden kommen, hat Kaiser laut Pfohlmann faszinierend und derart rästelhaft in Szene gesetzt, dass sich der Rezensent bis zuletzt nicht langweilt.
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