Ron Winkler

Unterwegs in der Verformung

Gedichte
Cover: Unterwegs in der Verformung
Schöffling und Co. Verlag, Frankfurt am Main 2024
ISBN 9783895612312
Gebunden, 96 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

"Wo war ich, der Utopieanrainer, stehengeblieben? ... Am unerforschten Spalt zwischen Berufung und Beruf? Darin ist mein aktueller Sonnenstand verborgen." Ron Winklers neuer Gedichtband lädt ein zu Expeditionen ins Herz der Sprache. Diesmal in eine urbane Landschaft, die durch das übernächtigte Leben mit Kleinkindern einen ganz anderen Blick auf die Welt eröffnet, darauf, was sie uns kostet und wie sie uns um die Ohren fliegt. "Bei Temperaturen um den Formulierpunkt" und "Dauerregen in der Babybay" sondiert er "Vaterwildnis" und "vorbildbiotopisches Gelände". Zwischen Arztpraxen, Ämtern und Polizeistationen besingt er das "nicht so richtig super sitzende Hormonkostüm" und rät: "Schreib einfach auf die Karte an dich selbst: Happy Melancholiefrustdepressionsohnmachtsernüchterung." In seinen neuen Gedichten umkreist Ron Winkler Kindheitsorte und Kriegsschauplätze, blickt in Beziehungsabgründe und stellt sich den Herausforderungen des Familienalltags.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.12.2024

Rezensentin Angelika Overath empfiehlt Ron Winklers neuen Gedichtband allen Eltern und Rätselfreunden. Zwar eröffnet der in Jena geborene Dichter den Band mit dem Krieg in der Ukraine und der Frage, wie man in Kriegszeiten dichten kann, den Abschluss machen Landschaftsgedichte und Alltagsszenen. Das Herzstück bilden aber jene Gedichte, die sich mit den "Identitätsschwankungen" auseinandersetzen, denen Paare unterliegen, wenn sie Eltern werden, erkennt die Kritikerin. Von Folter durch Schlafentzug liest sie hier ebenso wie vom Ausgeliefertsein, von einem Vater vorgetragen mit "existenziellem Pathos und Wortfuror". Den eigentlichen Reiz scheinen für Overath aber Winklers Sprachspielereien auszumachen: Aus "Kuscheltieren" werden "Tuscheltiere", aus dem "Stiefschwesterchen" das "Schniefschwesterchen", zitiert sie. Fast wie bei Brentano, meint sie, nur nicht ganz so klangvoll. Gern hat sie die Gedichte offenbar dennoch gelesen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 29.08.2024

Wie es sich anfühlt, in einer krisengebeutelten Welt Vater zu werden, erzählt Ron Winklers lyrisches Ich in seinem neuen Lyrikband: Sperrig, hermetisch sind die Gedichte und machen dem Rezensenten Björn Hayer klar, dass in diesen Zeiten das Innerste der Gesellschaft auseinanderzubrechen droht. "Gott ist überfallen" und wir befinden uns in einer "universumsgroßen Einsamkeit", wie Hayer in den Gedichten lernt, die ihn gleichzeitig herausfordern und faszinieren.
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