Raoul Tranchirers Bemerkungen über die Stille

Schöffling und Co. Verlag, Frankfurt am Main 2005
ISBN
9783895613197
Gebunden, 160 Seiten, 19,90
EUR
Klappentext
"Raoul Tranchirers Bemerkungen über die Stille" sind der Schlussstein der umfassenden Enzyklopädie für unerschrockene Leser, ein Lexikon aus purer Literatur, das dem Leser den Kopf zurechtsetzt, und das kam so: Im Juli 1953 erscheint Tranchirer mit einer Reisetasche auf dem Gelände des Anhalter Bahnhofs und sagt, auf den Fußboden deutend: "Der Fußboden ist die Unterlage unserer täglichen Existenz, auf ihm ruht und bewegt sich das ganze Tagesleben." Dieser Satz war der Beginn einer radikalen Beschäftigung mit den Geheimnissen der Welt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.12.2005
Rezensent Hubert Spiegel ist nicht nur von dieser letzten Folge, sondern von Ror Wolfs gesamter Enzyklopädie ausgesprochen begeistert. Deswegen zeigt er diesen, nach zweiundzwanzig Jahren definitiv letzten Band mit sichtlicher Beunruhigung an. Könnte es sein, fragt er, dass das Ende von "Raoul Tranchirers Enzyklopädie für unerschrockene Leser" eventuell auch das Ende der Welt bedeutet? Ohne diese "lehrreichen, erheiternden und verstörenden", stets von Collagen begleiteten, welterklärenden und nach Stichworten sortierten Prosaminiaturen kann sich der Rezensent das Leben jedenfalls nur schwer vorstellen. Auch die Schlußbemerkung des Autors erhält vom Rezensenten das freundliche Prädikat "aufschlussreich".
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Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 28.07.2005
Katrin Hillgruber nennt Ror Wolfs "Raoul Tranchirers Bemerkungen über die Stille" ein "eigentümlich aquatisches Konversationslexikon". In immer neuen Artikel-Anläufen - von "Ausflugsdampfer" über "Lautlosigkeit" bis zum "Vorwärtsschieben" - nähert der Verfasser sich der Wirklichkeit, doch erteilt er, wie die Rezensentin mitteilt, dem Leser keine Handlungsanweisungen. Die Einträge steigern sich vielmehr, so Hillgruber, zum "großen Gesang von der Vergeblichkeit der Phänomene", und sehr viel mehr, als dass hier also das neue, in gewohnter Manier verfasste, mit zahlreichen skurrilen Radierungen ausstaffierte neue Werk von Ror Wolf, vermutlich 73, vorliegt und dass des Autors Ankündigung, sich von nun an nicht mehr zur Welt äußern zu wollen, seine Anhänger in helle Aufregung versetzen dürfte - sehr viel mehr will Hillgruber auch gar nicht verraten.
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 17.03.2005
Die Rezensentin Maja Rettig macht um ihre Begeisterung keinen Hehl: Ror Wolf hat wieder nicht Wort gehalten, ist wieder nicht verstummt, sondern hat wieder zugeschlagen, und man kann sich darüber nur freuen. Texte und Bilder, so Rettig, sind in diesem sechsten Band von Wolfs "Anti-Enzyklopädie" nicht aufeinander bezogen und erinnern in ihrer Koexistenz nur ironisch an "dieses doppelte enzyklopädische Prinzip der Welterklärung". Gemeinsam sei ihnen das autoritäre Zeigen, allerdings dem hehren Ziel untergeordnet, Unordnung in die Ordnung in den Köpfen zu schaffen. Und so werde in hochfahrendem Ton "Abwegiges, Nichtiges oder gar nichts" verkündet. Das Vergnügen rühre von der "komische Absurdität" des "Nebeneinanders unvereinbarer Realitäten oder surrealistischer Irrealitäten". Eins, so die Rezensentin, sei jedoch klar: "Es existiert nichts außerhalb des Textes. Die Welt wird radikal durch Sprache erzeugt und entzogen." Schließlich glaubt die Rezensentin in diesem sechsten Band "eine Sehnsucht nach dem Verstummen" vernommen zu haben. Man kann nur hoffen, so ihr Fazit, dass Ror Wolf wieder wortbrüchig wird.