Als Gerichtsreporter kannte jeder Rudolf Hirsch, auch mit seinen publizistischen und literarischen Arbeiten erreichte er ein großes Publikum. Die eigene, bewegende Lebensgeschichte aber blieb er vorerst seinen Lesern schuldig. Erst auf Drängen seiner Freunde schrieb er sie auf: ein bewegendes Zeugnis über das Leben eines Juden und Kommunisten im 20. Jahrhundert.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.07.2003
Annette Zerpner hat in Rudolf Hirschs Erinnerungen nicht so sehr eine abgeschlossene autobiografische Erzählung gefunden, sondern eher Skizzen einer fortschreitenden Entfremdung des jüdischen Journalisten von Deutschland, seiner Heimat, in der er als Jude und Kommunist schon vor seiner Emigration 1937 "zwischen den Stühlen" saß, in die er aber dennoch nach dem Krieg zurückkehrte. Die Zeit danach, informiert Zerpner, ist nicht mehr in diesem Buch enthalten; der Herausgeber habe es übernommen, Hirschs weiteren Werdegang zu umreißen. Doch die Unvollständigkeit und "Mosaikartigkeit" findet Zerpner nicht schlimm - ganz im Gegenteil. Gerade in den Ausschnitten eines Lebens in der deutschen Provinz und im palästinischen Exil, gerade in den unsystematischen Einblicken in Tätigkeiten als NS-Prozessbeobachter und Reporter finden sich Einsichten, die keines roten Fadens bedürfen, meint die Rezensentin.
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