Jürgen Gottschlich beschreibt, wie der Journalist und Schriftsteller zu dem wurde, der er heute ist, und macht deutlich, welchen Preis Wallraff für seine Aktionen und Rollenspiele bezahlte. Seine Paraderolle als David gegen den Goliath "Bild"-Zeitung hat nicht nur den Blick auf das Boulevardblatt in der deutschen Öffentlichkeit nachhaltig verändert - Wallraff musste auch in Kauf nehmen, dass der Springer-Konzern jahrelang versuchte, ihn als vermeintlichen Stasi-Spitzel zu denunzieren. Und das Buch "Ganz unten", für das Wallraff fast drei Jahre lang als Türke "Ali" lebte und das über Nacht zu einem Megaseller wurde, hat manche Freunde zu Feinden gemacht. Diese Biographie, die auf ausführlichen Gesprächen mit Günter Wallraff und Weggefährten beruht, erzählt auch eine kurze Geschichte der politischen Linken in der Bundesrepublik. Anders als frühere Weggefährten ist Wallraff seinen Vorstellungen von sozialer Gerechtigkeit und internationaler Solidarität treu geblieben, er ruht sich nicht auf seinen Lorbeeren aus, sondern mischt sich bis heute ein, wenn es gilt, bedrohten Menschen eine Stimme zu leihen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 19.10.2007
Heribert Seifert macht keinen Hehl daraus, dass sich seine Bewunderung für Günter Wallraff in Grenzen hält. In seinen verdeckten Recherchen zu den Praktiken der Bild-Zeitung oder den Arbeitsbedingungen "Ganz unten", will er weniger ein Modell für investigativen Journalismus erkennen als vielmehr "moralische Schriftstellerei", die im Großen und Ganzen die Vorurteile linksliberaler Milieus bestätige. Mit einer seinem Sujet freundlich gegenüber stehenden Biografie kann ihn Jürgen Gottschlich daher gar nicht überzeugen. Und schon gar nicht, wenn sie, wie der Rezensent streng bemerkt, so "brav und ohne kritische Distanz" daherkommt. Für Seifert ist sie nicht mehr als ein "Freundschaftsdienst".
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