Aus dem kanadischen Englisch von Joachim Utz. Als Gewalt, Verfolgung und bittere Armut in ihrer Heimat immer drückender werden, macht sich Anfang des letzten Jahrhunderts eine Gruppe wagemutiger Männer, Frauen und Kinder auf eine gefährliche Wanderschaft. Viele Jahrzehnte dauert die Reise, die sie Tausende von Kilometern aus einem russischen Dorf in eine unbekannte Zukunft führt. Anhand der mehrere Generationen umgreifenden Familiengeschichte seiner Heldin Frieda Friesen erzählt Rudy Wiebe von einer kleinen Schicksalsgemeinschaft, die mit Mut und längst verlorengegangenen Werten Entbehrungen, Zweifeln, Krankheit und sogar dem Tod widersteht.
Die Rezensentin Katharina Granzin kommt zu einem gemischten Urteil über diesen Roman, der auf biografischen Versatzstücken von Mitgliedern der mennonitischen Kolonien in aller Welt beruht. Es handelt sich ihrer Meinung nach um "eine Lektüre, die erarbeitet werden will." Nicht zuletzt, weil es recht kompliziert ist, einen Überblick über das Personal des Romans zu behalten und weil der Roman dramaturgisch nicht besonders interessant gestaltet ist: "Auch auf den Seiten des Romans bleiben die Handlungsstränge sauber getrennt". Aber ein Erkenntnisgewinn hat der Leser trotzdem. Der Roman führt ein "in eine fremde Welt, die sich Außenstehenden sonst verschließt.". Was Granzin allerdings wirklich befremdet, ist der Umstand, dass man über die religiösen Motivationen und Bräuche der Mennoniten kaum etwas erfährt - erst zum Schluss streift der Autor Rudy Wiebe, selbst ein verweltlichter kanadischer Mennonite, dieses Thema. Doch auch das wirkt auf die Rezensentin nicht wirklich überzeugend. "Die Peace-Symbolik, die ihm dazu einfällt, hinterlässt lediglich einen unpassend süßlichen Nachgeschmack von metaphysischem Kitsch. Die Leerstelle bleibt."
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