"Und worauf warte ich jetzt?" - Ruth Schweikert erzählt in ihrem neuen, sehr persönlichen Buch von der eigenen Brustkrebserkrankung Am 9. Februar 2016, einem Dienstag, erhält Ruth Schweikert die Diagnose, dass sie an einer besonders aggressiven Form von Brustkrebs erkrankt ist. Aus Ahnung und Angst wird Wirklichkeit. Was aber ist das für eine Wirklichkeit? In welchen Käfig aus Vorstellungen und Gedanken, aus Technik und Terminen gerät jemand, der Krebs hat? Was passiert mit dem eigenen Körper? Was glaube ich zu wissen über Krebs? Und worauf warte ich eigentlich, wenn ich wieder einmal warte: nachts schlaflos im Bett oder in einem der vielen Wartezimmer, vor dem nächsten "Befund"? Nichts ist gewiss in Ruth Schweikerts neuem Buch, das radikal genau von der Wirklichkeit der eigenen Krankheit zu erzählen versucht.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 25.07.2019
Rezensent Martin Ebel ist erleichtert, Ruth Schweikert am Leben zu wissen. Schweikerts Buch über ihren Brustkrebs liest er beklommen und auch mit achtungsvollem Staunen darüber, wie es der Autorin gelingt, der Krankheit Energie abzugewinnen, um über Kindheit und Elternhaus, Therapien, Rekonvaleszenz und Zukunft gleichermaßen nachzudenken und heterogen und fragmentarisch über den Graben "Krebs" zu schreiben, der sie von anderen trennt. Literatur als Überlebenshilfe, Lebenssinn, ganz konkret, meint Ebel, lesenswert, wenn auch sprachlich spröde und in den Formulierungen manchmal banal.
Rezensentin Shirin Sojitrawalla haben Ruth Schweikerts Gedanken zu ihrer Krebserkrankung tief beeindruckt: In einem "leisen Buch" spreche die Autorin sich selbst und den Lesern Mut zu und lasse sich von den wechselnden Gefühlen, die mit der Erkrankung einhergehen, auch im Schreiben leiten. Ob sie nun schnoddrig, abgeklärt oder ängstlich auf das Leben schaue - immer reflektiere sie das eigene Schreiben und seine Entwicklung in dieser Extremsituation mit und füge dem viel besprochenen Thema Krebs damit einen neuen, feinfühligen Ton hinzu, lobt die Kritikerin.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 16.03.2019
Michael Braun scheint tief berührt von Ruth Schweikerts tagebuchartigen Aufzeichnungen zum Verlauf ihrer Krebserkrankung. Dass der Band weder Heldinnenepos noch Tragödie ist, sondern eine offen mit der Erschütterung des Subjekts umgehende Überlebensstrategie, die mal subtil arrangiert in die Familienerzählung abbiegt, mal Krankheitserfahrungen anderer aufnimmt, gefällt Braun. Der äußeren Ordnung korrespondiert dabei laut Rezensent keine innere. Stattdessen herrschen Vor- und Rückblenden, ein "nomadisierendes Schreiben" jenseits aller Fiktionalisierung, so Braun. Schmerzhaft sind die sachlichen Berichte vom Sterben für Braun und von bleibender beunruhigender Sinnlosigkeit.
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