Aus dem Hebräischen von Markus Lemke. Mit ihrer neuen Graphic Novel zeigt die israelische Comiczeichnerin Rutu Modan, wie man mit den Mitteln der Satire sehr unterhaltsam gegen die Verbohrtheit und für den Frieden kämpfen kann: Sperranlagen an Grenzen bringen die Menschen dazu, nach Möglichkeiten zu suchen, sie zu umgehen. Stellen Sie sich vor, eine Gruppe Israelis baut einen Tunnel in die Westbank, weil sie dort religiöse Artefakte vermutet. Ebenso zielstrebig bauen Palästinenser in entgegengesetzter Richtung ihren unterirdischen Gang. Wenn sich diese Wege kreuzen, müssen sie sich irgendwie arrangieren, wenn sie nicht auffliegen wollen ...
Eine Frau ist mit ihrem siebenjährigen, Smartphone-süchtigen Sohn auf der Suche nach der Bundeslade und spannt nebenbei jüdische Expansionisten genauso für ihre Zwecke ein wie palästinensische Tunnelbauer und die israelische Armee, fasst Rezensent Andreas Fanizadeh die Handlung dieses "Comicromans" zusammen. Der Kritiker hat die Lektüre des Archäologenabenteuers sehr genossen, vor allem, da es laut ihm nicht nur Spannung, sondern auch satirische Anspielungen auf den palästinensisch-israelischen Konflikt zu bieten hat.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 15.01.2021
Rezensent Christoph Haas ist merklich amüsiert und beeindruckt von Rutu Modans vielschichtiger Satire. Der Nahostkonflikt, der Rassismus von Strenggläubigen, die akademische Welt, Indiana Jones - alles wird hier auf die Schippe genommen, und zwar überaus gekonnt, findet der Rezensent. Die Tochter eines bekannten israelischen Archäologen glaubt herausgefunden zu haben, wo der heiligste aller Kultgegenstände versteckt liegt: Die Bundeslade. Um die berühmten Steintafeln zu finden, untergräbt sie gemeinsam mit ihrem Team nicht nur die Mauer um das israelische Siedlungsgebiet, sondern auch den Ernst dieses Konfliktes. Dabei bietet sie nicht nur formidable Unterhaltung durch Witz und Spannung, es gelingt ihr gleichzeitig auch Verständnis zu schaffen für die komplizierte Situation ihres Landes "als einer von außen bedrohten und im Inneren zerrissenen Nation". Nur ihr Zeichenstil hat sich seit dem Erscheinen ihrer letzten beiden Comics nicht zum Besseren entwickelt, findet der Rezensent. Das scheint er der begabten Erzählerin jedoch leicht zu verzeihen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.01.2021
Rezensent Andreas Platthaus amüsiert sich prächtig mit dem Comic der israelischen Zeichnerin Rutu Modan. Die Autorin vermischt die Geschichte von der Suche nach der Bundeslade im israelisch-palästinensischen Grenzland mit dem Thema des israelisch-palästinensischen Konflikts und dem Terror des IS laut Platthaus zu einer Komödie und zu einem Abenteuer a la Indiana Jones unter Tage. Der "sardonische Humor" der Autorin, ihre vordergründig so harmlose ligne clair und allerhand bizarre Wendungen in der Story ziehen den Rezensenten in ihren Bann, sodass er über kleinere editorische Mängel, wie vertauschte Sprechblasen, hinwegsieht.
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