Ryu Murakami

In der Misosuppe

Roman
Cover: In der Misosuppe
Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2006
ISBN 9783462037333
Kartoniert, 206 Seiten, 8,95 EUR

Klappentext

Aus dem Japanischen von Ursula Gräfe. Kenji führt Touristen durch Tokios Rotlichtviertel. Frank ist Amerikaner und Kenjis Kunde. Er ist fasziniert von der Atmosphäre der Stadt und vom erhabenen Klang japanischer Worte - und er ist fasziniert von Gewalt. Die letzten drei Tage des Jahres. Wie immer drängeln sich in Kabuki-cho, Tokios bekanntem Rotlichtbezirk, sexhungrige Freier durch die vom flackernden Neonlicht erfüllten Häuserschluchten. Minderjährige Mädchen verabreden sich zum Sex mit väterlichen Freunden. Auf der Straße werben Anreißer für Peepshows, Dessous-Bars und Massagesalons. Eine Welt mit einem eigenen Code. Jene, die ihn nicht verstehen, wenden sich an Kenji. Kenji ist zwanzig und Nightlife-Guide. Er übersetzt die Wünsche seiner Kunden und teilt ihnen die Konditionen der Anbieter mit. Die Leere und Einsamkeit der Menschen nimmt er ungerührt wahr und bleibt stets auf Distanz. Er weiß zwar, was ihm nicht behagt, doch er richtet nicht und greift nicht ein. Dann trifft er Frank, und zum ersten Mal weicht seine gewohnte Coolness einem nervösen Unbehagen.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 03.01.2007

Nach Meinung der Rezensentin Susanne Messmer ist diese Erzählung von Ryu Murakami ein Beispiel für die Tendenz in der japanischen Popliteratur, die Ereignisse möglichst schrill darzustellen - was aber für den Leser oft den gegenläufigen Effekt hat, nämlich dass die extremen Szenarien oft kaum "Abdrücke mehr im Bewusstsein" hinterlassen. Trotzdem gefallen der Rezensentin an diesem Roman, der passend zum Titel ihrem Empfinden nach die Nachhaltigkeit einer "literarischen Fertigtütensuppen" hat, die Splatterszenen am besten. Darauf versteht sich der Autor nach Messmers Meinung. Kein Wunder: Hierzulande kenne man den Autor schließlich vor allem als Autor der Vorlage zum Horrorfilm "Audition". Die "durchsichtige Handlungsführung und moralinsauren Urteilsverkündungen", mit denen er seine Geschichte garniert, hingegen langweilen die Rezensentin eher.

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