Das anbrechende 20. Jahrhundert scheint es gut mit den Deutschen und dem Wilhelminischen Reich zu meinen. In den emporwuchernden Mietskasernen für das neue Industrieproletariat der Großstädte mag es gären, doch auf den Ringstraßen der Großstädte flaniert man stolz vor bürgerlichen Prunkbauten, die Wirtschaft floriert, Adel und Militär genießen uneingeschränktes Sozialprestige, und die Mehrheit der Bevölkerung verehrt den Kaiser und übt sich im Untertanengeist. In Übersee reifen die Kolonialwaren, der Rhein ist romantisch und Elsass-Lothringen deutsch. Auf den rund 800 Bildern dieses Bandes zeigt sich Deutschland überwiegend so, wie es sich gerne sah: selbstbewusst, glanzvoll, patriotisch, bodenständig, konservativ, aber auch fortschrittsgläubig und - wenn man es sich leisten konnte - mondän.
Marc Reichwein ertappt sich beim Durchblättern des zentnerschweren Bildbands "Deutschland um 1900" beim Gedanken, dass Deutschland so hätte aussehen können ohne Hitler, Krieg und Bomben. So, das heißt: wie "Postkartendeutschland", verrät der Rezensent. Denn die Bilder, die damals im Photochrom-Flachdruckverfahren entstanden sind, das zwar etwas blass wirkt, aber viele Farbnuancen umfasst, die Bilder dienten hauptsächlich als Motive für Ansichtskarten, mit denen die Erfinder des Photochrom, Hans Jakob Schmid und die Firma Orell Füssli, ihr Geld verdienten, erklärt Reichwein. Jenseits der Heile-Welt-Fantasien bleiben aber noch genug interessante historische Details, um das Buch auch auf den zweiten Blick noch interessant zu machen, verspricht der Rezensent.
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