Aus dem Türkischen übersetzt und mit Nachwort versehen von Gerhard Meier. Sait Faiks Istanbul ist ein Kosmos wundersamer und doch ganz normaler Menschen. Der Straße abgelauscht, im Kaffeehaus notiert, verleiht jede seiner unvergesslichen Geschichten der Vielvölkermetropole ein eigenes Gesicht: Die sanfte Barfrau Melâhat hilft einem phlegmatischen Kaufmannssohn beim Erwachsenwerden; Haydas, ein Kaffeehausbesitzer, verliert sein Herz an einen gefräßigen Seehund; Ahmet und Gülüm beginnen ihre arrangierte Ehe mit einer ungewöhnlichen Hochzeitsnacht. Sait Faiks atmosphärisch-dichte, skizzenartige Erzählungen schlugen in der türkischen Literatur des 20. Jahrhunderts einen völlig neuen Ton an. Mit dieser Kurzprosa führte er sie stilistisch wie thematisch in die Moderne.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.01.2013
Direkt und humorvoll, lässig und ein bisschen macho, findet Astrid Kaminski die Short Storys von Sait Faik, den sie überschwänglich in einem Atemzug mit Poe und Kafka nennt. Wer das verwunschene Istanbul der 50er Jahre, das der kleinen Diebe und Lebenskünstler, durchqueren will, der, so rät Kaminski, greife zu Faiks Band. Zwar findet sie den Autor weniger politisch als etwa seinen Kollegen Metin Eloğlu, Faiks Prosa tendiert für sie aber dennoch zum Nichtkonformen, etwa durch die Absage an ausgrenzenden Nationalismus.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 04.12.2012
Der 1954 verstorbene Sait Faik ist laut dem hier rezensierenden Dichter Nico Bleutge einer jener Autoren, die die türkische Literatur in die Moderne geführt haben. Höchst angeregt liest Bleutge diese Erzählungen aus einem versunkenen Istanbul, um dessen Vielfalt es dem Autor unter anderem zu tun war: Allein das Beharren darauf war laut Rezensent wohl schon eine Provokation für die mit Entschlossenheit aufrechterhaltene "einheitliche Nationalidee" Atatürks. Sait Faik scheint sich der Stadt von den Rändern her zu nähern, viele Episoden spielen in Vororten oder auf den Prinzeninseln. Auch der Erzähler selbst inszeniert sich laut Rezensent als Randfigur und widmet sich Menschen, die selbst in der Mitte stehen: Dorflehrern und Kuhhirten, Kaffeehausbesitzern und verwöhnten Mädchen, die sämtlich in der "Zwangsjacke des Alltags" stecken. Bleutge lobt auch Gerhard Meiers "geschmeidige" Übersetzung.
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