Saleem Haddad

Guapa

Roman
Cover: Guapa
Albino Verlag, Berlin 2017
ISBN 9783959850841
Taschenbuch, 400 Seiten, 16,99 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Andreas Diesel. Vierundzwanzig Stunden, die alles im Leben des jungen Rasa verändern: In einem namenlosen Land im Nahen Osten erschüttern gewaltsame Proteste die politische Ordnung. Der Arabische Frühling steht am Scheideweg zwischen Militärdiktatur und islamischem Regime. Und auch Rasas Welt gerät völlig aus den Fugen. Auf der Suche nach seinem besten Freund, der in den Gefängnissen der Machthaber gefoltert wird, streift er durch die Slums seiner Stadt. Nach Hause zu gehen wagt er nicht, denn seine Großmutter hat sein unaussprechliches Geheimnis entdeckt. Während die wichtigsten Beziehungen in seinem Leben zu zerbrechen drohen, muss Rasa seinen Platz in einer Gesellschaft finden, die ihn vielleicht niemals akzeptieren wird.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.08.2017

Rezensent Marco Stahlhut schätzt die "tonsichere" Übersetzung von Andreas Diesel, vor allem aber Saleem Haddads Mut, in seinem Roman wirklich alles anzuschlagen: den arabischen Frühling, den folgenden arabischen Herbst, Islamismus, Identitätsfragen, Soziales, Religiöses, und, nicht zuletzt, was es heißt, in einer konservativen Gesellschaft schwul zu sein. Ob es sich bei dem Text um ein politisches Buch oder doch um eine Liebesgeschichte zwischen zwei Männern handelt, möchte der Rezensent nicht entscheiden. Sicher scheint ihm nur, dass der Autor mitreißend, mit einem Gefühl für narrative Wendungen und Pointen erzählt, überzeugend soziokulturelle Milieus in einer nicht näher benannten arabischen Stadt schildert und fast nie moralisierend wird, auch wenn er große Themen verhandelt.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 08.07.2017

Diesem eindringlichen Debütroman verzeiht Rezensentin Angela Schader gern die ein oder andere Schwäche. Denn wie ihr der arabische homosexuelle Autor Saleem Haddad in seiner autobiografisch geprägten Geschichte vom Coming-Out, einer zerbrochenen Liebesbeziehung, dem homosexuellen Underground in einer orientalischen Stadt und den Beben des arabischen Frühlings erzählt, hat die Kritikerin tief beeindruckt. Dass es der Geschichte bisweilen an "Stringenz" mangelt, geht für Schader angesichts der gelungenen Figurengestaltung in Ordnung: Facettenreich schildert ihr Haddad etwa, wie sein Held Rasa mit seiner sexuellen Identität ringt oder versucht, an seinem Liebesglück festzuhalten; vergnügt liest die Kritikerin auch, wie der Autor Rasas "starrsinnig" pragmatische Großmutter porträtiert. Nicht zuletzt lobt die Rezensentin, wie geschickt Haddad hier auf das "islamistische Milieu" blickt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 01.06.2017

Saleem Haddads Debütroman lässt sich sowohl als Coming-out-Geschichte eines jungen homosexuellen Arabers lesen, als auch als politischer Roman über den arabischen Frühling und das Pendeln zwischen Militärdiktatur und islamischem Regime, meint Rezensentin Katja Thorwarth bewundernd und führt dies auf die raffinierte Erzählstruktur zurück. Geschildert wird ein Lebensabschnitt von nur 24 Stunden, doch durch Rückblicke, durch die Erinnerungen des Ich-Erzählers, bekommen wir einen Eindruck von der Zerrissenheit in der dieser junge Mann leben muss, von seinem Identitätsfindungsprozess zwischen arabischer Heimat, seiner Sexualität sowie der westlichen Kultur, und erleben gleichzeitig die Erschütterungen durch die Revolution und ihrem "antiemanzipatorischem Rollback" mit, die die Gesellschaft von innen zerreißen, lesen wir. Ein kluger, ein vielschichtiger und ein hochpolitischer Roman, meint die enthusiastische Rezensentin.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 23.05.2017

Saleem Haddads Debütroman hat Rezensent Jonathan Fischer einfach umgehauen. Der arabische Autor weiß, wovon er in seinem Coming-Out-Roman spricht, versichert der Kritiker, der hier einen Tag lang dem schwulen Übersetzer Rasa durch eine Großstadt während des arabischen Frühlings folgt und dabei das ganze politische Schicksal einer Generation kennenlernt. Der Rezensent erlebt nicht nur, welchen Repressalien Homosexuelle ausgesetzt sind, sondern staunt insbesondere, wie Haddad die inneren Konflikte seines Helden zu schildern vermag: Wenn Rasa sich von dem Islamistenführer Ahmed angezogen fühlt oder von seiner Großmutter Teta entdeckt wird, liest Fischer einen "Tanz um die eigene Scham", der mit keiner Coming-Out-Geschichte der westlich-liberalen Gesellschaft verglichen werden kann.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 22.03.2017

Mit Proust verglichen zu werden, davon träumt wohl jeder Debütant, Rezensent Stefan Hochgesand erweist Saleem Haddad die Ehre. Hochgesand hat mit dem arabischen Autor und Aktivisten über Queerness im arabischen Raum, über den arabischen Frühling, politisches Engagement und seinen Roman "Guapa" gesprochen. Gemeinsam mit dem Protagonisten durchlebt der Leser einen Tag und in diesem Tag ein ganzes Leben, lesen wir bei Hochgesand, denn die Vergangenheit ist nie vergangen, sondern "die Wurzel des Haderns in der Gegenwart". Geschickt platziere Haddad Erinnerungen und Exkurse, wodurch einem der Protagonist nähergebracht, sein Hadern verständlich gemacht und die Spannung erhöht wird, lobt der Rezensent. Ein, wie er findet, berührender, aufwühlender, mitreißender Roman.

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