Salvatore Scibona

Das Ende

Roman
Cover: Das Ende
Arche Verlag, Zürich 2012
ISBN 9783716026403
Spiele, 350 Seiten, 22,95 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Steffen Jacobs. Am 15. August 1953 findet in Elephant Park, dem italienischen Viertel von Cleveland, Ohio, anlässlich des römisch-katholischen Hochfestes Mariä Himmelfahrt eine Prozession statt; ein Ereignis, bei dem sich verschiedene Schicksalsfäden kreuzen: die Fäden von Rocco LaGrassa, dem Bäcker von Elephant Park, der erfährt, dass sein Sohn in einem Kriegsgefangenenlager in Korea gestorben ist; von Mrs. Marini, der Engelmacherin, von ihrer Vertrauten Lisa Mazzone und derem 15-jährigen Sohn Ciccio und von dem unheimlichen Juwelier, der sich selbst nur "der Waldläufer" nennt und ein schreckliches Geheimnis mit sich trägt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.03.2012

Salvatore Scibonas Roman "Das Ende" ist in der Welt der italienischen Auswanderer in Cleveland in Ohio angesiedelt, wo es bis in die 1980er Jahre noch so italienisch zuging wie in der Heimat, teilt Maike Albath mit. Das Romandebüt des 1975 eben dort geborenen Autors zeichnet ein facettenreiches Bild einer festgefügten italienischen "Community", wobei seine vielen Erzählstränge bis in das Jahr 1873 zurückgehen, so die Rezensentin bewundernd. Sie findet es ausgesprochen gut gemacht, wie Scibona verschiedene Stimmen zu Wort kommen lässt, so zum Beispiel den seiner Familie entfremdeten Bäcker Rocco, der seinen in Korea gefallenen Sohn beerdigen muss, oder die "Engelmacherin" Costanza Merini. Daraus entsteht ein ganzer "Chor", der ohne Folklore oder Sentimentalität eine Lebenswelt entfaltet, die mit ihrem Rassismus oder den erdrückenden patriarchalen Familiengefügen alles andere als in ein idealistisches Licht getaucht wird, wie Albath anerkennend feststellt. Ausgesprochen fesselnd liest sich dieser Roman wegen seiner "farbenprächtigen Sprache", betont die Rezensentin, was in ihren Augen nicht zuletzt der "einfallsreichen" Übersetzung durch Steffen Jacobs zu danken ist.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.03.2012

Leicht ist dieser Roman nicht zu haben, warnt Jan Wiele vor: In Salvatore Scibonas im Stil der modernen Literatur des frühen 20. Jahrhunderts gehaltene "Bewusstseinsstrom-Prosa" über die Erfahrungen der ersten italienischen Einwanderer in die USA muss man sich "erst hineinbeißen". Dies selten anzutreffende Formbewusstsein erfreut den Rezensent schon einmal per se, auch wenn für den Leser auf dem Weg zum literarischen Genuss einige von der unchronologischen Erzählweise und den "unvollständig bleibenden Perspektivsichten" aufgegebene Rätsel zu lösen seien. Dies belohne den Leser zwar mit mancher surrealen Passage und einer beeindruckenden Spannbreite erzählerischer Einfälle, doch zeigt sich der Rezensent auch leicht genervt von Scibonas Überprivilegierung des "perfekten Satzes" im Verhältnis zum "großen Ganzen". Dennoch kratzt sich dieser am Ende der Lektüre doch verwundert am Kopf, wie es nur dazu kommen konnte, dass der Stil der literarischen Moderne heute so in Misskredit stehe.

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