Otto Warburg oder wie ein jüdischer Wissenschaftler im Nationalsozialismus die Krebsforschung neu erfand
Carl Hanser Verlag, München 2026
ISBN
9783446286009 Gebunden, 448 Seiten, 28,00
EUR
Klappentext
Aus dem Amerikanischen von Henning Dedekind und Heike Schlatterer. Eine packende Geschichte am Abgrund des Zweiten Weltkriegs - über den jüdischen Krebsforscher Otto Warburg und die gegensätzlichen Realität von wissenschaftlicher Wissenschaft und Diktatur. Berlin am Abgrund des Zweiten Weltkriegs. In Dahlem macht sich der exzentrische Nobelpreisträger Otto Warburg daran, das Geheimnis der Zellen zu lüften - er will verstehen, wie Krebs entsteht und wie er sich heilen lässt. Doch Warburg ist jüdisch, lebt in einer homosexuellen Beziehung und muss unter den Nazis um sein Leben fürchten. Sam Apple zeigt Otto Warburg als vergessenes Genie voller Widersprüche und entwirft anhand seines Lebens ein ungewöhnliches Epochenporträt. Warum erhofften sich die Nationalsozialisten von Warburg die Rettung für die "deutsche Volksgesundheit" und ließen ihn unbehelligt weiterarbeiten? Was bleibt von seiner Forschung? Eine Geschichte über Ideologie und Wissenschaft, persönliche Gefahren und Verantwortung und das Erbe einer großen Forschungsidee.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 07.05.2026
Ein vielseitiges, lebendiges Buch legt Sam Apple hier vor, findet Rezensent Michael Lange. Der amerikanische Journalist beschäftigt sich mit dem Biochemiker Otto Warburg, der in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Berlin wissenschaftlich tätig war. Sein in Dahlem gelegenes Institut leitete Warburg "nach Gutsherrenart", er hielt stur an seinen Thesen fest und lies andere Meinungen nicht gelten. Besonders aktiv war Warburg in der Krebsforschung, Teile seiner Arbeit insbesondere zu Stoffwechsel-Enzymen setzten Impulse, die auch heute noch wichtig sind. Vor allem aber geht es in dem Buch darum, wie es möglich war, dass Warburg, den die Nazis als "Halbjuden" klassifizierten, anders als viele Kollegen im Dritten Reich weitgehend unbehelligt forschen konnte - möglicherweise war es das Thema Krebs, das ihn schützte. Apples Buch jedenfalls, lobt Lange, ist gut recherchiert und stellt nicht nur Warburgs Arbeit, sondern auch seinen Alltag anschaulich und auch über 400 Seiten hinweg nie langweilig dar.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 30.04.2026
Rezensentin Judith Leister liest mit Interesse Sam Apples Buch über Otto Warburg, den einzigen prominenten jüdischen Wissenschaftler, der während der gesamten Nazizeit in Deutschland leben und arbeiten konnte. Der Physiologe Warburg war bereits ein Star, als die Nazis die Macht übernommen hatten, liest man bei Apple: So hatte Warburg, dessen Vater zum Protestantismus übergetreten war und der selbst im Ersten Weltkrieg auf deutscher Seite gekämpft hatte, unter anderem 1911 die Vorgängerorganisation der Max-Planck-Gesellschaft gegründet. Warum ließen ihn die Nazis weiterarbeiten? Möglicherweise, um im Ausland einen "Vorzeigejuden" vorweisen zu können, außerdem war Warburg in der Krebsforschung tätig, die eine Obsession vieler führender Nazis war. Warum aber blieb Warburg? Apple zeichnet ihn als einen widersprüchlichen Charakter, "hochintelligent und selbstbewusst, aber auch unbelehrbar und selbstgefällig". Den Nazis gefällig zeigte er sich nie, verbot sich Besuche durch SA-Trupps, im Rahmen seiner Möglichkeiten unterstützte er auch jüdische Kollegen. Apple zeichnet ihn dennoch als jemanden, der eine Art Pakt mit dem Teufel schloss - Leister ist sich nicht so sicher, ob derartige moralische Kritik an Warburg sinnvoll ist, denn: Was waren seine Alternativen? Überhaupt ist der Rezensentin das Buch gelegentlich zu spekulativ geraten. Dennoch kann sie es empfehlen, insbesondere auch als lebendiges Bild einer vergangenen Ära der Wissenschaftsgeschichte.
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