Jay Howard Geller

Die Scholems

Geschichte einer deutsch-jüdischen Familie
Cover: Die Scholems
Jüdischer Verlag im Suhrkamp Verlag, Berlin 2020
ISBN 9783633543052
Gebunden, 462 Seiten, 25,00 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Ruth Keen. Kaum eine Familie spiegelt die Geschichte der deutschen Juden des 19. und 20. Jahrhunderts in allen ihren Facetten, vom Glanz des Aufstiegs ins Bürgertum bis zur Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden so deutlich wie die der Scholems. Ihre Geschichte beginnt in Schlesien: Von dort zogen die Scholems Mitte des 19. Jahrhunderts nach Berlin und eröffneten eine Druckerei, die es zu einigem Wohlstand brachten. Arthur und Betty Scholem hatten vier Söhne, die alle einen unterschiedlichen Weg einschlugen: Reinhold, 1891 geboren, wurde im Kaiserreich zum deutsch-nationalen Juden; Erich, Jahrgang 1893, zum nationalliberalen, assimilierten Juden; Werner Scholem, 1885 in Berlin geboren, wurde zu einem prominenten Vertreter eines linken Sozialismus und saß in der Weimarer Republik für die KPD im Reichstag. Gerhard Scholem schließlich, 1897 geboren, bekannte sich früh zum Zionismus, lernte Hebräisch und wanderte 1923 nach Palästina aus, wo er als Gershom Scholem einer der bedeutendsten Forscher jüdischer Mystik wurde. Jay Geller zeigt hier zum ersten Mal, wie sich in einer Familie sich vier ganz unterschiedliche Ausprägungen der deutsch-jüdischen Geschichte versammeln: Nationalismus wie Liberalismus, Sozialismus wie Zionismus.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.02.2021

Rezensent Magnus Klaue erscheint Jay H. Gellers Familienbiografie auf den ersten Blick wie ein bürgerlicher Roman a la "Buddenbrooks". Auf den zweiten erkennt er ein Buch, dem er einen Platz im Kanon der Forschungsliteratur zur neueren deutsch-jüdischen Geschichte wünscht. Stilistisch missfällt Klaue zwar die allzu anteilnehmende Zuschreibung von Emotionen und das "retrospektive Futur", wie der Autor vor allem anhand der Brüder Reinhold, Erich, Werner und Gershom unterschiedliche Erfahrungen mit und Reaktionen auf den Antisemitismus "kontrastiv" veranschaulicht, findet Klaue aber in jedem Fall lesenswert.
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Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 08.02.2021

Rezensent Hans-Martin Schönherr-Mann wundert's nicht, dass Jay Howard Geller Gershom Scholem in den Mittelpunkt seiner Familienbiografie rückt. In den Bann zieht ihn das Buch aber auch mit lebendigen, spannenden Schilderungen der Lebenswege aller vier Scholem-Brüder bis ins Exil in Sydney und Palästina, der polnischen Vorgeschichte der Familie, des jüdischen Lebens in Berlin zwischen 1900 und dem Ende der Weimarer Republik. Dass die vier Brüder für die Vielfalt dieses Lebens stehen können, erkennt der Rezensent bei der Lektüre.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 13.01.2021

Rezensent Micha Brumlik liest Jay H. Gellers Familiengeschichte der Scholems als "Sozialgeschichte deutschen Judentums" in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Anhand der Schicksale der vier Scholem-Brüder zeichnet ihm der amerikanische Judaist nicht nur nach, wie säkulare Juden danach strebten, "gleichberechtigte Mitglieder" der deutschen Gesellschaft zu sein, sondern Brumlik liest hier auch, wie die vier Brüder zunächst die beiden Kriege erlebten - und in welche Richtungen die drei Überlebenden sich in den Nachkriegsjahren entwickelten: Erstaunt erfährt der Rezensent, wieviele Familienmitglieder sich nach dem Krieg dem orthodoxen Judentum zuwandten.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 17.12.2020

Rezensent Matthias Arning hat sich mit großer Aufmerksamkeit und einigem Staunen mit den Mitgliedern dieser hier "akribisch" erforschten Familie befasst. Es gehe, so der Kritiker, um den Erinnerungsraum jener hundert Jahre, in denen Juden in Deutschland sich mit ihrem kulturellen Deutschsein identifizierten - und dann damit brachen. Die Geschichte der vier Scholem-Brüder wird in der Besprechung noch einmal skizziert und der Kritiker bescheinigt dem Autor, eine nicht nur höchst symbolkräftige deutsch-jüdische Geschichte zu erzählen, sondern auch mit einer "erinnerungskulturell bedeutenden Untersuchung" vor sein Publikum zu treten. Am Ende seiner Besprechung weist der Rezensent auf Gellers Feststellung hin, dass sich Berlin durch keine Namensgebung etwa einer Straße, eines Platzes oder einer Institution an die Familie Scholem erinnert.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 04.12.2020

Rezensentin Andrea Roedig rekapituliert das Panorama der deutsch-jüdischen Kultur im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert, das Jay Howard Geller in seinem Buch am Beispiel der Geschichte der Familie Sholem entfaltet. Denn an Gershom Sholem, der 1923 nach Palästina emigrierte und zum berühmten Gelehrten und Kabbala-Forscher avancierte, und seinen drei Brüdern (von denen einer deutschnationaler, einer liberaldemokratischer und einer kommunistischer Gesinnung war) lassen sich exemplarisch die vier sehr verschiedenen Haltungen darlegen, mit der die Juden zu dieser Zeit auf den Antisemitismus in Deutschland reagierten, so die These des Autors. Eine "groß angelegte Studie" und eine "historische Erzählung", meint die Rezensentin, hält sich mit einer eingehenderen Wertung jedoch zurück.