In einer sehr umfangreichen Sammelbesprechung rezensiert Klaus Harpprecht mehrere Bücher von Sandor Marai. Dabei informiert der Rezensent nicht nur ausführlich über das Leben des Dichters, sondern bringt auch mehrfach sein Bedauern, ja Entsetzen darüber zum Ausdruck, dass Marai - den er in mancher Hinsicht mit Joseph Roth, Stefan Zweig, Robert Musil und anderen in eine Reihe stellt - so lange Zeit fast völlig in Vergessenheit geraten ist. "Wo hatten wir unsere Augen, wo unsere Ohren?", fragt Harpprecht, der sich von der Neuentdeckung von Marais Werken begeistert zeigt. Ein "grandioses Lebenszeugnis" ist dieser zweibändige autobiografische Roman nach Ansicht des Rezensenten, der sich ansonsten mit einem Urteil weitgehend zurückhält, sondern vielmehr den Inhalt für sich sprechen lässt. Und so erfährt der Leser einiges von der Kindheit Marais in Ungarn, der Prägung durch verschiedenen Sprachen und vor allem von der Hin- und Hergerissenheit zwischen Bürgertum und Anarchie. Beeindruckt zeigt sich Harpprecht besonders von Marais Blick auf Deutschland und Frankreich, wo der Autor lange Zeit lebte und gerade hinsichtlich des Weimarer Deutschlands schon früh die gefährliche Mischung zwischen "Schuldbewusstsein, (...) Ordnungsdrang und (...) innerlicher Unordentlichkeit" diagnostizierte. Harpprecht lobt diese Autobiografie als "eine der schönsten gewiss" und stellt insbesondere den zweiten Band in eine Reihe mit Stefan Zweigs "Welt von gestern" oder "Henry Adams' Lebenszeugnis".
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