Das Anthropozän fordert die Geschichtsschreibung heraus: Muss sich die Geschichtswissenschaft verändern, um in Zukunft noch relevant zu sein? Die Debatte um das neue Erdzeitalter Anthropozän prägt auch die historischen Wissenschaften. Forderungen nach neuen Methoden, neuen Quellen und neuen Narrativen bestimmen das Feld. Fragen nach der Bedeutung der Natur, der Ausdehnung der Zeit und der Rolle des menschlichen Akteurs berühren die Geschichtswissenschaft im Kern ihres disziplinären Selbstverständnisses. Um unter den Bedingungen des sich abzeichnenden Klimawandels noch über relevante Deutungsmacht zu verfügen, muss sich auch die Geschichtswissenschaft wandeln. Die Autorin führt durch die internationale Debatte um das Anthropozän, sucht nach Zusammenhängen und Anknüpfungspunkten und schlägt vor, neue Narrative von Kontamination und Relation zu entwickeln.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 24.12.2024
Was wird aus der Geschichtswissenschaft im Anthropozän? Dieser Frage widmet sich die Historikerin Sandra Maß in einem aufregenden Buch, so Rezensentin Hedwig Richter. Gleich mehrere vermeintliche Gewissheiten muss die Disziplin hinter sich lassen, unter anderem die von einer offenen Zukunft - wenn die Klimaprobleme immer virulenter werden, verengt sich der Horizont, Teleologie feiert ein Comeback. Auch die Rolle der Tiere darf nicht länger von Historikern ignoriert werden, erklärt Richter, wobei Maß nicht so weit geht, menschliche Subjekte komplett aus der Verantwortung zu entlassen - vielmehr weist sie auf neue ethische Dringlichkeiten hin, da jede kurze Autofahrt wichtige Biomasse verbraucht. Was also tun? Maß stelle eine Theorie der Kontamination, die auf neuen Vernetzungen basiert und ein Geschichtsverständnis etabliert, das planetare und ökologische Perspektiven miteinbezieht. Hedwig, selbst Historikerin, stellt klar, dass nicht alles, was Maß schreibt, neu ist. Dennoch sei es eine großartige Leistung, diese für die Zukunft der Disziplin so entscheidenden Debatten so klug und präzise aufzuarbeiten.
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