Sind wir alle gleichzeitig jetzt? Geschichtsschreibung unter den Bedingungen der Vielzeitigkeit. Die Geschichte - sie ist überall präsent. Seit mehr als zwei Jahrhunderten sind nicht nur westliche Gesellschaften gewohnt, in diesem Kollektivsingular zu denken und mit ihm zu leben. Dieser übermächtigen Gesamtheit alles Geschehen(d)en wird nicht nur eine umfassende Wirkmacht, sondern eine ebenso grundlegende Erklärungsfunktion zugeschrieben. Das paradoxe Ergebnis: Alles hat eine Geschichte, außer die Geschichte selbst. Spätestens jedoch seit sich die europäisch-westlich geprägte Geschichtswissenschaft mit ihrem sehr speziellen Begriff von Geschichte im Rahmen postkolonialer Diskussionen auch mit anderen Verständnissen von Zeitlichkeit und Veränderung konfrontiert sieht, wird deutlich, wie problematisch dieses Geschichtsverständnis ist. Allein, es mangelte an Alternativen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.10.2020
Thomas Thiel erkennt das Ketzerische an Achim Landwehrs "Wolkenhistoriografie". Wie der Autor versucht, herkömmliche Zeiterfahrungen seiner Zunft durch die Beschäftigung mit Literatur und Philosophie, Erfahrungen und Bezügen zwischen Heute und Gestern aufzubrechen, findet er spannend. Die so angepeilte Geschichte der Möglichkeiten bleibt für Thiel aber leider schemenhaft. Geschichtsschreibung muss dennoch Ordnungen vergangener Zeiten beschreiben, stellt der Rezensent schließlich fest. Landwehrs sich mal in "kunstvoll geschliffenen" Miniaturen, mal bloß in Wimmelbildern sich manifestierender "historischer Essayismus" hat wohl seine Tücken. Inspirierend und "glanzvoll" geschrieben findet Thiel den Band trotzdem.
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