Sandro Veronesi

Schwarzer September

Roman
Cover: Schwarzer September
Paul Zsolnay Verlag, Wien 2026
ISBN 9783552075757
Gebunden, 288 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Aus dem Italienischen von Karin Krieger. Fiumetto in der Toskana im Sommer 1972: Sind es anfangs der Kampf um die Schachweltmeisterschaft zwischen Bobby Fischer und Boris Spasski und die kommenden Olympischen Spiele von München, die den zwölfjährigen Gigio interessieren, so ändert sich das schlagartig, als die dreizehnjährige Astel mit ihrer aus Äthiopien stammenden Mutter die benachbarte Strandkabine bezieht. Das Übersetzen von Songtexten bringt die belesene Astel und den pubertierenden Gigio zusammen; die Musik von David Bowie und Cat Stevens, der Geruch von Strand und Vinyl durchziehen das ganze Buch. Doch dann wird Astels Vater ermordet. Gigios Vater, ein Rechtsanwalt, soll die Verteidigung der verdächtigten Ehefrau übernehmen. Und in München verübt die Terrorgruppe "Schwarzer September" einen Anschlag auf die israelische Olympiamannschaft.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 20.05.2026

Einen fabelhaften Coming-of-Age-Roman - und mehr als das - hat Sandro Veronesi geschrieben, jubelt Rezensent Gustav Seibt. Perfekt trifft Veronesi die Stimmung zum Zeitpunkt der Handlung im Jahr 1972 in der italienischen Kleinstadt Vinci, wo die Hauptfigur Luigi Bellandi aufwächst. Luigi ist zwölf und zum ersten Mal richtig verliebt, viel Zeit lässt sich der Roman mit dieser zärtlichen Romanze: "Alles atmet Frieden, Sorglosigkeit, stabile Alltäglichkeit." Dann allerdings bricht nicht nur das Olympia-Attentat in München, parallel erzählt, in die Handlung ein, auch die unschuldige Liebesgeschichte kehrt sich ins Düstere, ja krimi-mäßige. Ein paar zu viele dunkle Vorausdeutungen macht der Kritiker aus, das hätte es gar nicht gebraucht, tut der Faszination für das Buch aber keinen Abbruch: Seibt stellt einen Vergleich mit Giorgio Bassanis Klassiker "Hinter der Tür" an, in dem die unschuldige Welt der Jugend auf ähnliche Weise zusammenbricht. Veronesi beherrscht jedenfalls alle Register, manchmal bremst er die Handlung herunter, manchmal nimmt sie rasant Fahrt auf, intime Passagen treffen auf kluge Gesellschaftsbeobachtung - und dann wurde das alles auch noch, endet die ausgesprochen positive Besprechung, von der Übersetzerin Karin Krieger perfekt ins Deutsche übertragen.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 24.03.2026

Rezensent Dirk Fuhrig hat einiges auszusetzen an diesem mit der Krimi-Form spielenden Coming-of-Age-Roman des italienischen Schriftstellers. Geschickt findet er den dramaturgischen Aufbau, der die aus Sicht eines Dreizehnjährigen geschilderte Erzählung über eine italienische Familie in den 70ern auf den Anschlag bei den Olympischen Spiele 1972 hinauslaufen lässt. Der Autor platziert dadurch die privaten Zerwürfnisse im Leben des Ich-Erzählers - die scheiternde Ehe seiner Eltern, die versiegende Beziehung zu seiner ersten Jugendliebe - vor den Hintergrund einer weltweit relevanten Katastrophe, beobachtet Fuhrig. Doch die konkrete Ausstaffierung des Lebens der Figuren wie der damaligen Zeit bleibt ihm zu dekorativ und kitschig: der Rassismus, den die Jugendliebe des Erzählers als Tochter einer afrikanischen Frau erfährt, die Homophobie und Fremdenfeindlichkeit des Handlungsortes Vinci, alles wirkt wahllos und macht bloß die Konturen einer Epoche erahnbar, bemängelt der Kritiker. Dadurch verkommt leider auch der eingangs erwähnte Kontrast der Handlungsebenen zu einem "ziemlich gesuchten" Effekt, seufzt Fuhrig.

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