Aus dem Schwedischen von Stephanie Baur. Annas Hand ist so eine, die Netze auslegen und Knoten knüpfen kann. Die von Lollo kann vor allem Candy Crush spielen und Selfies machen. Unter ihren beiden Händen befindet sich der warme, raue Stein. Und jetzt berühren sie einander, Außenkante an Außenkante. Anna sitzt vollkommen regungslos da, nur ihre Atmung ist als winzig kleine Bewegung wahrzunehmen. Lollo atmet ebenfalls, jedoch schneller und heftiger, angesichts ihrer eigenen Courage. Sie lässt ihren kleinen Finger über den von Anna gleiten.
Rezensentin Katrin Hörnlein zeigt sich berührt von der unmöglichen Liebesgeschichte zwischen zwei fünfzehnjährigen Mädchen aus unterschiedlichen Milieus. Lollo kommt aus einer reichen Familie, Annas Vater ist ein heruntergekommener Alkoholiker, beide verbringen den Sommer auf einer kleinen Schären Insel vor Stockholm und verlieben sich. Vielleicht übertreibt Lövestrom die sozialen Unterschiede zwischen den Mädchen etwas, aber, so Hörnlein, dafür treten so die völlig unterschiedlichen Lebensrealitäten der verschiedenen Schichten besonders plastisch hervor. Ein paar Gemeinsamkeiten gibt es dann doch, bemerkt Hörnlein, zum Beispiel "Gesoffen, um das Leben zu ertragen, wird bei allen". Mit der Trennung der beiden Mädchen am Ende des Sommers zeigt die Autorin, wie einschneidend und lebensbestimmend soziale Unterschiede sind, erklärt die Kritikerin, die das ganz lebensecht findet.
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