Als Franz Kafka vor 100 Jahren starb, war die Welt eine andere. Doch bis in unsere Gegenwart des 21. Jahrhunderts haben seine Romane, Parabeln, seine Tagebücher und unvergleichlichen Briefe nichts von ihrer originellen oder verstörenden, berührenden und immer auch tröstlichen Wirkung eingebüßt. Im Gegenteil: Dass seine Werke, sein Leben und sein Blick auf die Welt gerade in dieser Gegenwart, in der wir leben, eine Menge über uns selbst erzählen und dass Franz Kafka für heute Schreibende ungebrochen ein Fixpunkt der Moderne ist, zeigt dieser Band. 27 deutschsprachige und internationale Autorinnen, bildende Künstler, Denkerinnen und Lyriker schreiben über das, was in ihren Augen das Überzeitliche, das drängend Aktuelle dieses jüdischen, deutschen Jahrhundertschriftstellers aus Prag ausmacht.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.06.2024
Mit seiner Anthologie zum hundertjährigen Todestag Franz Kafkas herausgegebenen Anthologie ist Sebastian Guggolz eine facettenreiche Schau auf den bedeutenden Autor gelungen, deren Lektüre Vergnügen bereitet, urteilt Rezensent Jeremy Adler. Darin äußern sich zeitgenössische Autorinnen, Dichter, Künstler, Denkende und Lyriker zu Kafka als Person und Autor und beleuchten dabei sein Werk von verschiedenen Seiten: So arbeitet zum Beispiel Joseph Vogl die Unerschöpflichkeit des Empirischen bei Kafka heraus, Maria Stepanova zeigt, inwiefern Kafkas "Josefine" auf E.T.A. Hoffmanns "Nussknacker und der Mäusekönig" zurückverweist, und Michael Lentz betont die selbstinterpretatorische Kraft von Kafkas Texten, ihre "innere Hermeneutik" - ein Band, der originelle Kafka-Philologie versammelt, findet Adler. Ihm fehlt einzig ein Beitrag zu Kafkas Verhältnis zum Judentum, das er für dessen Literatur als sehr bedeutend einschätzt. Guggolz' Anthologie legt er den Leser:innen nicht zuletzt aufgrund ihrer beeindruckenden thematischen Spannweite sehr ans Herz.
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