Geoffroy de Lagasnerie

Kafka misstrauen

Cover: Kafka misstrauen
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2024
ISBN 9783103975864
Gebunden, 80 Seiten, 18,00 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Andrea Hemminger. Ohne dass er etwas Böses getan hätte, wird Josef K. eines Morgens verhaftet. Mit diesem Anfang des Romans "Der Proceß", aber auch mit anderen Erzählungen hat Franz Kafka mächtige Bilder für die Willkür einer anonymen und rätselhaften Justiz entwickelt. Bilder, die uns fassungslos nach Sinnhaftigkeit suchen lassen. Aber helfen uns Kafkas Erzählungen beim Verständnis von Macht, Justizapparat und Urteil? Geoffroy de Lagasnerie beleuchtet Kafkas Texte innerhalb der philosophischen Diskussion der letzten Jahre und entwickelt von hier aus eine eigene Position, die neben der literarischen Perspektive auch die soziologische berücksichtigt und Parallelen zu heutiger Polizeigewalt und Willkür herstellt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 16.03.2024

Rezensentin Julia Encke rät dringend ab von Geoffroy de Lagasneries Kafka-Buch. Der Band ist für sie ein einziges selbstgerechtes Ärgernis, eine Polemik ohne Boden, dafür mit einem Narzissmus, der sie zu dem Gedanken veranlasst, der Autor misstraue Kafka nicht, er missbrauche ihn für seine Zwecke. Wie man Kafka vorwerfen kann, er bilde nicht die Wirklichkeit ab, wie sie ist, sondern eine "Anti-Welt", ist ihr ein Rätsel. Ist Kafka vielleicht Soziologe? Und der Leser? Er solle sich nicht von Kafka und seinen Figuren zur Realitätsflucht verführen lassen, ruft der Autor. Der Rezensentin aber scheint das allemal lieber zu sein, als sich von Lagasnerie zur Wahrheit anleiten zu lassen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 16.03.2024

Also , ehrlich gesagt: Rezensent Thomas Steinfeld, einst Literaturchef der SZ, findet dieses Buch ziemlich platt. Er legt dar, wie Lagasnerie Kafka sozusagen vom Sockel holen will. Bis zu einem gewissen Grade kann Steinfeld das nachvollziehen, das Staunen und Erschauern vor Kafka scheint er selbst inzwischen ein bisschen rituell zu finden. Aber Lagasnerie macht es sich für Steinfeld dann doch zu einfach, wenn er Kafkas Allegorien über das Gesetz als bloßen Ausdruck einer Sehnsucht nach Recht und Ordnung liest. Der französische Pop-Autor Frédéric Beigbeider habe Lagasneries Buch einen Fall "von Dummheit, die man zu Unrecht für subversiv" halte, genannt und gar mit einem Aktivismus vergleichen, der Suppe auf Mona Lisa wirft. Nein, so weit will Steinfeld nicht gehen. Aber er erwähnt es doch gern.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 16.03.2024

Rezensent Mladen Gladic hat dieses Kafka-Buch von Geoffroy de Lagasnerie offenbar mit Gewinn gelesen. Der französische Philosoph konzentriert sich hier auf die Texte des Juristen Kafka, bei denen Gesetz und Strafe im Vordergrund stehen. Lagasneries These, die er mit Kafka-Zitaten zu belegen versucht, lautet: Nicht das Gesetz, sondern die Abwesenheit von Gesetz und Ordnung erklären das Unheimliche bei Kafka. Demgegenüber stehe eine Sehnsucht, in einem "Regime" zu leben, in dem das Gesetz "feststehend und öffentlich" ist, resümiert Gladic, der mit Lagasnerie allerdings fragt: Hat Kafka das strafrechtlich Unbewusste im Rechtsstaat nicht bedacht?

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