Wir alle halten unsere Meinungen für wohlüberlegt und faktenbasiert. Doch es sind vielmehr unsere Gefühle, die darüber entscheiden, ob wir etwas gut oder schlecht finden und wie sich unser Weltbild zusammensetzt. Was wir für wahr halten, muss nicht wahr sein, sondern sich wahr anfühlen. Fakten spielen dabei eine deprimierend unwichtige Rolle.
Sebastian Herrmann beschreibt kenntnisreich und unterhaltsam, wie persönliche Ansichten entstehen und welche psychischen Ursachen sie haben: warum wir Neues so rasch ablehnen, auf negative Informationen stehen, uns chronisch selbst überschätzen, Fans simpler Botschaften sind und überall nach Bestätigung suchen. Ein kluger, hochaktueller Wegweiser für den täglichen Umgang mit Wahrheit und Lüge in Zeiten von Fake News und Co.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 13.05.2019
Dass Emotionen in politischen Debatten schwerer wiegen als Argumente und sich Falschinformationen nicht durch Richtigstellungen aus der Welt schaffen lassen, lässt sich hierzulande und erst recht im Trump-Amerika täglich beobachten. In seinem Buch "Gefühlte Wahrheit" nähert sich der Wissenschaftsjournalist Sebastian Herrmann diesen Phänomenen aus der Perspektive der Kognitionspsychologie und trägt so einiges zum Verständnis bei, freut sich Martin Tschechne. Ausgehend von einem Selbstversuch am Wahl-O-Maten beschreibt der Autor "locker, ohne falschen Respekt, aber auch ironisch gegen sich selbst" die kognitiven Mechanismen, die hinter diesen Fremd- und Selbsttäuschungen stecken, berichtet der Rezensent und erfährt, dass Intelligenz keineswegs davor schützt, im Gegenteil: "Schlaue Menschen sind besonders gut darin, ihre irrationalen Überzeugungen anderen und sich selbst gegenüber zu verteidigen", zitiert er Herrmann, dessen amüsantes und aufschlussreiches Buch er nur sehr empfehlen kann.
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