Wie unser Gehirn Erinnerungen überschreibt - und warum das lebenswichtig ist
C.H. Beck Verlag, München 2026
ISBN
9783406844034 Gebunden, 237 Seiten, 26,00
EUR
Klappentext
Aus dem Englischen von Jürgen Neubauer. Vergessen macht glücklicher: Wie unser Gedächtnis wirklich funktioniert. Unter Gedächtnis verstehen wir für gewöhnlich die Erlebnisse und Eindrücke aus der Vergangenheit, die sich vollständig und intakt in uns einschreiben und irgendwo in unserem Gehirn aufbewahrt werden - als Erinnerungen. Tatsächlich funktioniert unser Gedächtnis aber ganz anders. Jedes Mal, wenn wir eine Erinnerung abrufen, rekonstruieren und konstruieren wir das Erinnerte neu und passen es an die Situation an, in der es gerade gebraucht wird. Wir lassen weg, fügen hinzu, ändern Details, blenden aus. Diese unbewussten Verformungen sind jedoch kein Defekt - sie sind nützlich, ja lebensnotwendig. Ciara Greene und Gillian Murphy nehmen den Leser mit in die neueste Forschung, räumen mit gängigen Mythen auf und erklären, wie unser Gedächtnis wirklich funktioniert.Die Forschung hat gezeigt, dass unser Gedächtnis kein perfektes Abbild unseres Lebens abspeichert. Das mag auf den ersten Blick enttäuschend klingen: Wozu soll das Gedächtnis denn sonst gut sein, wenn es nicht korrekt aufzeichnet, was wir erleben und tun? Wenn wir uns jedoch fragen, wozu das Gedächtnis dient, könnte sich die Sache etwas anders darstellen. Genau wie unser Körper hat sich unser Gehirn über Jahrmillionen hinweg entwickelt. Die Evolutionstheorie geht davon aus, dass Eigenschaften, die die natürliche Auslese überlebt haben, vermutlich eine Anpassung darstellen und damit eine Art Überlebens- oder Reproduktionsvorteil mit sich bringen...Unser Gedächtnisapparat birgt gewisse Herausforderungen, doch er hat auch viele Vorzüge, weil er uns zum Beispiel hilft, eine kohärente Identität aufrechtzuerhalten, soziale Beziehungen zu pflegen und uns mögliche Zukunftsszenarien bildhaft auszumalen. Die mentalen Fähigkeiten, die uns dies ermöglichen, haben sich in der fernen Vergangenheit entwickelt, doch sie helfen uns noch heute, uns an ganz neue Situationen anzupassen.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 22.05.2026
Rezensent Volkart Wildermuth lernt mit "Das fühlende Gedächtnis", die Lücken und Fehlleistungen seines Gedächtnisses nicht nur besser zu verstehen, sondern auch zu tolerieren. Tatsächlich, so erklären Ciara Greene und Gillian Murphy in ihrem unterhaltsam und leicht zugänglich geschriebenen Buch, sei ein perfekt funktionierendes Gedächtnis nämlich keines, das jedes kleinste Detail einer Erfahrung abspeichert wie ein Computer. Sondern eines, das nur die wesentlichen Details bewahrt, aus denen vergangene Geschehnisse dann immer wieder plausibel und flexibel zweckgebunden rekonstruiert werden, um gute Entscheidungen für die Zukunft treffen zu können. Das Gedächtnis ähnelt damit eher einem Lego Baukasten, als einem PC oder einem Aktenschrank, beschreiben Greene und Murphy. Dass gerade diese Beschaffenheit das Gedächtnis anfällig macht für Manipulationen, und was das beispielsweise für die Psychotherapie oder für Gerichtsprozesse bedeutet, ist bereits in anderen Publikationen hinreichend dargestellt worden, weiß Wildermuth. Doch Greene und Murphy ergänzen diese Erläuterungen um einige interessante neue Aspekte, lobt der Rezensent, etwa ethische Fragen zur Forschung mit Gedächtnismanipulation. Das Einzige, was Wildermuth an diesem Buch nicht ganz passend erscheint, ist der deutsche Titel. Um Gefühle geht es hier nämlich ausnahmsweise eher wenig.
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