Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2026
ISBN
9783462009132 Gebunden, 304 Seiten, 23,00
EUR
Klappentext
Nach Jahrzehnten der TV-Geschichte ist es so weit: Der legendäre Showmaster Falk Anders kündigt seinen Ruhestand an. In unzähligen Sendungen hat er "dem Land den Puls gefühlt", die Grenzen von Komik und gutem Geschmack ausgetestet und darüber entschieden, wer mitlachen darf und über wen gelacht wird - Letzteres war oft genug: Boris. Als Sidekick, stets unterlegener Sparringspartner und Trottel vom Dienst blickt Boris auf eine spezielle Karriere im Rampenlicht zurück - aber war es eine, die ihn in den Sessel seines Lehrmeisters führt? Programmchefin Marianne hat ganz andere Pläne: Auf Falk Anders wird die Influencerin Sara Massoudi folgen, neue Reichweiten, neue Zielgruppen. Oder wird es alles ganz anders kommen? Plötzlich findet sich Boris im Bentley seines ehemaligen Chefs wieder, irgendwo in den Weiten des deutschen Autobahnnetzes; im Kofferraum eine kostbare Fracht und am Telefon die Programmchefin. Es entspinnt sich ein dramatisches und absurdes Kammerspiel - unter den Augen der Öffentlichkeit.
Rezensent Daniel Haas ist ganz aus dem Häuschen angesichts des neuen Romans El Hotzos. Dessen Zweitwerk ist eine treffsichere Mediensatire, im Zentrum stehen ein kurz vor dem Abdankung stehender TV-Moderator namens Falk und sein Sidekick namens Boris. Der ist zwar eigentlich auf Falks Stelle scharf, entführt den TV-Star dann allerdings erst einmal - diese Entführung wird anschließend zum Medienereignis. Man merkt, jubelt Haas, dass Hotzo das Metier, von dem er erzählt, aus dem Effeff kennt, großartige Szenen "aus dem Maschinenraum der TV-Unterhaltung" gelingen dem Autor. Noch besser gefällt dem Rezensenten, dass auch die Rolle des Publikums thematisiert wird, vor allem mithilfe fiktiver Social-Media-Kommentare, die Hotzo in seinen Text montiert. Dass wir alle letztlich Teil des Erregungssystems sind, von dem das Buch handelt, ist die Erkenntnis, die der beglückte Rezensent von der Lektüre mitnimmt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 22.04.2026
Rezensent Stefan Niggemeier wird nicht so ganz glücklich mit dem zweiten Roman von Sebastian Hotz alias El Hotzo. Die Geschichte dreht sich um Boris, langjähriger Sidekick eines bekannten Moderators. Über Jahre hinweg lässt sich Boris immer wieder von jenem Falk Anders demütigen, der einzige Trost ist die Aussicht, die Show irgendwann einmal zu übernehmen. Als klar wird, dass die Programmdirektorin aber ganz andere Pläne hat, eskalieren die Dinge, lesen wir. Ein wirklicher "Schlüsselroman" ist das nicht, meint der Kritiker, die Figuren erinnern aber an bekannte TV-Gesichter wie Stefan Raab und Elton oder auch Jan Böhmermann. Leider scheint dem Kritiker diese Art von Mediensatire etwas angestaubt, so etwas hätte man auch schon vor zwanzig Jahren schreiben können, meint er. Bis "ins kleine Detail treffend und lustig" findet Niggemeier die "Szenen der medialen Rezeption", die der Autor einbaut, zum Beispiel Schnipsel aus einer lokalen Tageszeitung, die den Streit aufgreift. Ansonsten bleibt die Geschichte leider recht vorhersehbar und der Humor wirkt bisweilen "ein wenig angestrengt." Als Verfilmung könnte sich der Kritiker das allerdings schon vorstellen, aber nur, wenn die langen Monologe der Hauptfigur in Handlung übersetzt werden, überlegt er.
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