Jan Böhmermann

Gefolgt von niemandem, dem du folgst

Twitter-Tagebuch. 2009-2020
Cover: Gefolgt von niemandem, dem du folgst
Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2020
ISBN 9783462000580
Gebunden, 464 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Tweets sind die Aphorismen der Gegenwart. Wetten, dass Sie das Interessanteste verpasst haben? Jan Böhmermanns digitale Chronik der vergangenen Dekade zeigt: Das Interessanteste stand nicht immer in der Zeitung. Sein Twitter-Tagebuch erzählt von Ereignissen, Diskussionen und Erfahrungen, die eine radikal neue Art der Geschichtsschreibung bedeuten: in Echtzeit und Hals über Kopf in der Gegenwart. Als Jan Böhmermann 2009 zu twittern anfing, war die Welt eine andere. Der Kurznachrichtendienst war noch kaum bekannt; erst allmählich entstand eine parallele Öffentlichkeit, in der Informationen ungefiltert, schnell und witzig verbreitet und diskutiert wurden. Der Zugang ist radikal subjektiv. Wichtig ist, was für den Einzelnen wichtig ist: Weltpolitik ebenso wie ein neuer Haarschnitt. In der Tradition großer Moralisten wie Montaigne oder Lichtenberg beobachtet Jan Böhmermann sich selbst und die Welt. Er sinniert über die Problematik, Erdbeeren zu transportieren, streitet sich mit dem Bundesjustizminister, pampt den BILD-Chefredakteur an, klugscheißt mit Christian Lindner, diskutiert mit Sido und flirtet mit Erika Steinbach. Mit seiner täglich wachsenden Reichweite und am Ende 2,2 Millionen Followern wird er aus Versehen auch zum Handelnden in der neuen Welt: Das Internet sickert in die Wirklichkeit, die Wirklichkeit verdampft ins Internet. Jan Böhmermann lobt, streitet, provoziert, fragt, informiert, scherzt, irrt, wundert und blamiert sich: Seine Tweets, sorgfältig zusammengestellt und eingeordnet, sind zugleich umfangreiche Kulturgeschichte des vergangenen Jahrzehnts und eine unterhaltsame Infragestellung der Welt, in der wir leben.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 11.09.2020

Rezensent Quentin Lichtblau findet Jan Böhmermanns gesammelte und kommentierte Tweets aus den Jahren 2009-2020 aufschlussreich in vielerlei Hinsicht. So kann Lichtblau etwa erkennen, wie sich der Humor im Lauf der Zeit wandelt vom nur gemeinen zum selbstherrlich gemeinen Witz. Oder wie sich die Öffentlichkeit verändert - von apolitisch zu höchst konflikträchtig. Dass Böhmernanns Getwitter nicht beliebig ist, sondern unterhaltsam und lehrreich, hält Lichtblau für bemerkenswert, auch wenn nicht jeder ältere Eintrag, jeder Gag heute noch zündet.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 11.09.2020

Rezensent Christian Meier fragt sich, welche Idee hinter Jan Böhmermanns Buchprojekt steht, für das er seine Tweets von 2009 bis 2020 von der Internetplattform gelöscht und stattdessen abgedruckt hat. Laut Vorwort des Moderators handle es sich um einen Versuch, ein möglichst realitätsgetreues Abbild des letzten Jahrzehnts zu liefern, so Meier. Das sei zwar eine löbliche Intention, aber das Digitale durch Buchdruck in die Wirklichkeit holen zu wollen, erscheint dem Rezensenten obsolet. Einzig als Demonstration dafür, dass Twitter (dem Meier deutlich weniger Relevanz zuspricht als Böhmermann) als Plattform der Geistesblitze eben nur in Echtzeit zu haben sei, ergäbe diese Tweet-Sammlung für Meier als Buch Sinn. Dennoch resümiert er: "Was für eine Zeitverschwendung".

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