Sebastian Ostritsch

Serpentinen

Die Gottesbeweise des Thomas von Aquin nach dem Zeitalter der Aufklärung
Cover: Serpentinen
Matthes und Seitz, Berlin 2025
ISBN 9783751865142
Broschiert, 220 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Gottes Existenz eine Sache der Vernunfterkenntnis? Diese Idee dürften die meisten für unverständlich oder gar für blanke Hybris halten. Glaube und Vernunft bilden für den Zeitgenossen, der sich vom Licht der Vernunft erleuchtet wähnt, in der Regel einen unversöhnlichen Gegensatz. Es versteht sich für ihn von selbst, dass er sich bei diesem Widerstreit ganz auf die Seite der Vernunft schlägt. Spätestens seit Kants Kritiken gilt ihm: Was Gott betrifft, könne man sich nicht auf die Vernunft, sondern höchstens auf den Glauben berufen. "Serpentinen" zeigt das Gegenteil. Es beginnt als faszinierende allgemeine Einführung in die überraschende Philosophie und Theologie des heiligen Thomas von Aquin, um sich dann den fünf Wegen zuzuwenden, die Thomas zur Beweisführung der Existenz Gottes entwickelt hat.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 31.01.2026

Rezensent Michael Köhler bespricht Sebastian Ostritschs Buch interessiert, aber auch dezidiert skeptisch. Ostritschs Programm, das Mittelalter mithilfe von Thomas von Aquins Gottesbeweis gegen eine vom wahren Weg abgekommene Moderne auszuspielen, leuchtet ihm nicht wirklich ein. Ja, das Mittelalter war moderner als man denkt, aber warum muss man deshalb unbedingt Aquin folgen? Ostritsch kritisiert den von Kant vorangetriebenen einseitigen Fokus auf individuelle Freiheit, im Mittelalter hingegen habe man noch gewusst, dass Vernunft und Glauben zusammengehören. Ostritsch ist, analysiert Köhler, ein Aquin-Fundamentalist, anders als etwa Andreas Speer betont er nicht die weltzugewandten Aspekte des Denkens des Mittelalters, sondern fordert eine unbedingte, von Zweifeln unberührte Gotteszugewandtheit. Als "klug, aber nicht weise" beschreibt Michael Köhler abschließend dieses Buch, das für ihn eben doch nicht nur eine durchaus gut geschriebene Studie über einen historischen Gottesbeweis ist, sondern eine rechtskonservative, antimoderne politische Agenda transportiert.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.12.2025

Interessiert, aber in der Sache nicht überzeugt, bespricht Rezensent Bert Rebhandl Sebastian Ostritschs Buch über Thomas von Aquins Gottesbeweise. Die Serpentinen des Titels, erläutert Rebhandl, sind für den katholischen Philosoph Ostritsch eben die Pfade, die von der irdischen Welt zur notwendigen Erkenntnis führen, dass ein transzendenter Gott existiert - wobei die christliche Offenbarung mithilfe der aristotelischen Kausaltheorie eine gewissermaßen sinnlich nachvollziehbare Bestätigung finden soll. Ostritsch glaubt laut Rebhandl, dass Aquin dieser Gottesbeweis seinerzeit gelungen und auch heute noch gültig ist, weshalb eine Rückbesinnung auf den Theologen eine Rückkehr in eine christliche Werteordnung und damit eine Abkehr von Kant und er Aufklärung ermöglichen kann. Rebhandl wendet allerdings ein, dass Ostritsch sich ausgerechnet mit der wichtigsten Formulierung bei Aquin nicht hinreichend auseinandersetzt: Aquin schreibt davon, dass alle Kausalketten auf etwas verweisen, das Gott genannt wird - und mit dieser bloßen Nennung ist eben, meint Rebhandl, keineswegs zwingend der gesamte christliche Rattenschwanz von Schöpfungsglaube und Offenbarung mitgemeint, den Ostritsch wieder installieren will. Den aristotelischen "unbewegten Beweger" kann man, glaubt Rebhandl, genauso gut mit dem Universum selbst identifizieren. Um wieder zum organischen Christentum zurückzukehren, nach dem sich Ostritsch sehnt, bräuchte es einen gesellschaftlichen Konsens, den es faktisch nicht gibt, meint der Kritiker. Rebhandl sieht jedenfalls nach der Lektüre immer noch gute Gründe, bis auf weiteres eher Team Kant zu bleiben.

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