Mit passiones animae werden in der aristotelischen Tradition die emotionalen Regungen und Empfindungen des Menschen bezeichnet. Bereits in der Grundlegung bei Aristoteles fanden die Ansätze verschiedener Denker und Schulen zu einer erklärenden Synthese. Diese wurde zum Ausgangspunkt der vielfältigen und auf hohem terminologischem Niveau diskutierten Affektlehren im mittelalterlichen Denken. Der Band Passiones Animae legt Untersuchungen renommierter Autoren zur Theorie von den Leidenschaften in den verschiedensten Strängen mittelalterlicher Philosophie und Theologie vor. Das Interesse erstreckt sich dabei von den aristotelisch-scholastischen Lehren über die platonische Tradition bis auf den umfangreichen und erst in Ansätzen erschlossenen Bereich der spirituellen und monastischen Literatur des Mittelalters, wodurch auch die anthropologische und moralphilosophische Relevanz bisher wenig oder gar nicht bearbeiteter Texte hervorgehoben wird. Das in der Passionenlehre erlangte Verständnis des Menschen als einer spannungsreichen Einheit von rationalen und emotionalen Kräften ist ein zentraler Beitrag des Mittelalters zur Anthropologie, der in gegenwärtigen philosophischen und moraltheologischen Kontexten verstärkt aufgegriffen wird. Eine Veröffentlichung des Grabmann-Institutes.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.10.2009
Erfreut zeigt Dominik Perler zwei Sammelbände an, die ihm einen neuen philosophischen Blick auf die Funktion und Bedeutung von Gefühlen eröffneten. Der vorliegende Band, der aus einer Tagung des Münchner Martin-Grabmann-Instituts hervorgegangen ist, arbeitet mittelalterliche theologische und philosophische Theorien der Gefühle heraus, teilt der Rezensent mit. Dass dabei nicht nur die "moralische Dimension" von Gefühlen, sondern auch die Frage nach ihrer Entstehung und ihrem Verhältnis zur Weltwahrnehmung und Erschließung aufgegriffen wird, heißt Perler dabei nachdrücklich gut. Als besonders "anschaulich" lobt er Jörg Tellkamps Beitrag zur Gefühlstheorie Albert des Großen, und er findet, dass sich daran exemplarisch die Begriffsschärfe und die "argumentative" Präzision mittelalterlicher Philosophie ablesen lassen, wie er eingenommen feststellt.
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