Zwei gewissenlose Beamte im braunen Außenministerium machten über die NS-Vernichtungspolitik Karriere: Horst Wagner und Eberhard von Thadden. Der Historiker Sebastian Weitkamp beleuchtet Wirken, Motive und Arbeitsumfeld dieser "diplomatischen" Täter. Er liefert einen Beitrag zur Holocaust-Forschung, zur Rolle des Auswärtigen Amts im Dritten Reich und zum Umgang mit den Tätern in der jungen Bundesrepublik. Auswärtiges Amt und SS kooperierten bei der Organisation der Vernichtung reibungslos. Horst Wagner war das Musterbeispiel eines skrupellosen, ehrgeizigen NS-Aufsteigers im Auswärtigen Amt. Er brachte es ohne Studium zum Vortragenden Legationsrat und persönlichen Verbindungsführer zwischen Außenminister Ribbentrop und Reichsführer-SS Himmler. Eberhard von Thadden, Judenreferent im AA, zählte dagegen zur klassischen Funktionselite des Deutschen Reiches. Der promovierte Jurist stammte aus einem national-konservativen Umfeld und sah im Judentum den Feind Deutschlands.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.08.2008
Ein zwiespältiges Urteil fällt der hier rezensierende Historiker Daniel Koerfer über diese Studie zur Verstrickung des Auswärtigen Amts in die nationalsozialistischen Verbrechen. Lobend erwähnt er Sebastian Weitkamps "minutiöse Analyse" und die biografischen Porträts der beiden Hauptfiguren Horst Wagner und Eberhard von Thadden, die im für "Judenfragen" zuständigen Referat Inland II exponiert für die Zusammenarbeit mit SS und RSHA verantwortlich waren. "Sorgfältig" findet er auch, wie Weitkamp etwa Thadden als "mobilen und kompetenten Funktionär der Endlösung" darstellt. Allerdings stört sich Rezensent Koerfer an einigen Pauschalisierungen oder an der Überschätzung des Auswärtigen Amts. Etwas unverständlich bleibt seine Kritik an Weitkamps Verurteilung der beiden Diplomaten. Hier meint der Rezensent, würde Weitkamp die Möglichkeiten von SS-Männern an wichtigen Scharnierstellen überschätzen, sich gegen das System zu stellen. Als wären die beiden arme Würtschen, die nichts anders konnten, als in SS und AA Karriere zu machen - und nicht Überzeugungstäter.
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