Karrierist und Blender, Pferdenarr und Frauenschwarm. Horst Wagner war Himmlers Verbindungsführer im Auswärtigen Amt. Er war ein großes Rad in der Vernichtungsmaschinerie, wurde angeklagt wegen Beihilfe zum Mord an mehr als 350 000 Juden und nie verurteilt. Gisela Heidenreich folgt den Spuren seiner abenteuerlichen Flucht auf der Rattenlinie nach Südamerika und zurück über Italien und Spanien nach Deutschland. Sie ergründet seinen Aufstieg und Fall und entdeckt seine Helfer und Helferinnen. Gisela Heidenreichs Mutter half Wagner, dem Nürnberger Justizgefängnis zu entkommen, und blieb ihm sieben Jahre lang eine treue Geliebte und Komplizin. Dann ließ er sie fallen und heiratete eine andere. "Geliebter Täter" erzählt von einem ganz normalen deutschen Mann aus der Mitte des 20. Jahrhunderts und von der Macht der Mörder über Frauen. Gisela Heidenreich will die Hingabe ihrer Mutter begreifen und deckt Seilschaften auf, die Wagners Verurteilung verhinderten.
Gisela Heidenreichs Buch über die Geschichte des hohen NS-Funktionärs Horst Wagner und ihrer Mutter, die den SS-Standartenführer liebte, hat Rezensentin Alexandra Senfft sichtlich beeindruckt. Beschäftigte sich die Autorin in ihren Bestsellern "Das endlose Jahr" und "Sieben Jahre Ewigkeit" mit ihrer Geburt in einem Lebensborn und der nationalsozialistische Vergangenheit ihrer Mutter, steht in "Geliebter Täter" die Beziehung ihres Fast-Stiefvaters Wagner und ihrer Mutter im Mittelpunkt. Senfft hebt hervor, dass die Autorin neben wissenschaftlichen Arbeiten von Autoren wie Hans-Jürgen Döscher und Sebastian Weitkamp auch eigene Recherchen angestellt, Fluchtstationen Wagners besucht und Zeitzeugen befragt hat. Eindringlich führt Heidenreich für sie vor Augen, wie es dem an der Vernichtung der Juden beteiligten Wagner mit Hilfe eines Netzwerks und des Auswärtigen Amts gelang, sich nach dem Krieg einer Strafe zu entziehen.
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