Mit Abbildungen. Wichtig ist dem Autor die Verbindung zwischen Antikommunismus und dem Umgang mit der NS-Vergangenheit in der Bundesrepublik von 1949 bis heute. Der Band bietet eine historisch-politische Darstellung von Inhalt, Form und Gehalt des Antikommunismus in Deutschland. Ausgehend von einem persönlichen Schicksal - Walter Timpe -, wird dargestellt, wie sich der Antikommunismus entwickelte. Im zweiten Teil des Buches geht es um den Antikommunismus nach 1945 als integralen Bestandteil der bundesdeutschen Nachkriegsideologie. Hierzu wird ein Überblick über die Rückkehr der alten NS-Eliten in Staat und Gesellschaft gegeben, der wiederum dezidiert antikommunistisch begründet wurde. Schlüsselfigur dabei: Konrad Adenauer. Im Buch werden daher wichtige Reden, Aufsätze und die Erinnerungen Adenauers untersucht. Zur Untermauerung werden außerdem die Kabinettsprotokolle der ersten beiden Regierungen Adenauers ausgewertet, die teils skurrile, teils unglaubliche Vorgänge zum Thema Antikommunismus liefern. Außerdem findet sich eine Übersicht über die Debatten bis zum heutigen Tag. Dabei wird unterstrichen, dass eine Kritik des Antikommunismus nur von einem antistalinistischen Standpunkt aus betrieben werden kann. Linksdogmatische Positionen werden mit konservativ-antikommunistischen verglichen. Den Abschluss des Buches bildet eine Auseinandersetzung mit rückwärtsgewandter Kritik am Antikommunismus, die die wahren Momente im Antikommunismus - der ihn u. a. so wirksam gemacht hat - nicht beachtet.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 10.08.2009
Rezensent Daniel Brössler sieht Jan Kortes Buch "Instrument Antikommunismus" als Gegenstück zu Hubertus Knabes "Honeckers Erben": dieser wolle die Linkspartei entlarven, jener den Umgang mit ihr. Knabes Buch hat Brössler nicht überzeugt, Kortes scheint ihm zumindest interessant. Allerdings geht er auf die These des Autors, der Antikommunismus der westdeutschen Nachkriegszeit habe als "Allzweckwaffe" zur Relativierung und Verdrängung der Nazi-Zeit fungiert, nicht weiter ein. Er hebt hervor, dass Korte einräumt, die KPD sei schon vor ihrem Verbot "in erster Linie an sich selbst" wegen ihrer Ausrichtung auf die totalitäre Sowjetunion und die DDR gescheitert.
Anerkennend äußert sich Rezensent Jörg Sundermeier über Jan Kortes Untersuchung der gesellschaftlichen Bedeutung und der ideologischen Wirksamkeit des Antikommunismus in der BRD nach 1945. Der Autor, Mitglied der Linkspartei, weist seines Erachtens überzeugend nach, dass der Antikommunismus vor allem in den 50er und 60er Jahren die Funktion hatte, die Eliten, die sich während der NS-Zeit den Nazis angedient hatten, auch weiterhin an der Macht zu halten. De facto habe die KPD schon zum Zeitpunkt ihres Verbots keine Rolle mehr gespielt. Deutlich wird für Sundermeier zudem, dass sich der Antikommunismus vor allem gegen die SPD richtete. Manchmal scheint ihm Kortes Buch ein wenig "schlampig" und "zu sehr von Parteipolitik" geprägt. Andererseits hebt er hervor, dass das Buch im Unterschied zu anderen linken Publikationen zum Thema auch Fehler der Kommunisten benenne.
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