Aus dem Französischen von Sonja Finck. Das schillernde Leben eines Filmstars in Zeiten der türkischen Diktatur "Als Esra Zaman mich bat, für ihre Beerdigung eine Trauerrede zu schreiben, jagte mir diese Idee panische Angst ein. Denn Esra Zaman ist meine Mutter. Ich muss schon im Prolog das unvermeidliche Unheil ankündigen. Deshalb will ich mit den drei Militärputschen beginnen, die unser Leben bestimmt haben." Hülya hat längst alle Brücken zu ihrer Mutter abgebrochen und lebt seit vielen Jahren in Paris. Widerstrebend beginnt sie, sich mit ihrer Kindheit als Tochter einer Filmdiva im Istanbul der 70er zu beschäftigen. Dabei kommt sie ihrer Mutter näher - und der Antwort auf das Verschwinden ihres Vaters.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 15.10.2022
Mit großer Begeisterung bespricht Christiane Schlötzer, Türkei-Korrespondentin der SZ, den Debütroman der türkischen, in Paris lebenden Autorin und Regisseurin Sedef Ecer. Die Kritikerin taucht hier ab in die Istanbuler Film- und Theaterwelt der 1950 bis 1970er Jahre und erinnert sich an die Freizügigkeit jener Jahre und die Erfolge muslimischer Schauspielerinnen. Anhand von drei Akten - eingeteilt durch die drei Militärputsche 1960, 1971 und 1980 - erzählt Ecer die autobiografisch geprägte Geschichte einer Mutter-Tochter-Beziehung, informiert Schlötzer. Die Mutter, einst nationale Schauspiel-Ikone, meldet sich bei ihrer in Paris lebenden Tochter, mit der Bitte, eine Trauerrede für ihre perfekt inszenierte Beerdigung zu schreiben. Und so verfasst jene Hülya, die sich in Paris Julya nennt, einen Text, der auf Theaterbühnen und hinter die Kulissen des anatolischen Kinos führt, die Frauen feiert und die Risse in der türkischen Gesellschaft beklagt und fast nebenbei von Vätern erzählt, die in Polizeikellern verschwinden. Ein Text "voll emotionaler Wucht und Zärtlichkeit", schließt Schlötzer.
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