Deutschland und Italien. Zwei Freundinnen zwischen Nähe und Distanz. Was hält sie zusammen, wieso können sie sich nicht voneinander lösen? Als Ellis ein kleines Kind ist, zerbricht die Ehe ihrer Eltern. Mit ihrer Mutter zieht sie von Italien nach Deutschland. Das Leben in der neuen Umgebung ist schwer, die Kinder in der Schule grenzen sie aus. Eines Tages kommt ein neues Mädchen in die Schule, Grace: Zu ihr entwickelt sich eine Freundschaft, die Ellis Halt gibt, ihr das fehlende Gefühl von Zugehörigkeit ersetzt. Bis Grace plötzlich die Seiten wechselt. Jahre danach treffen Ellis und Grace wieder aufeinander und kommen sich langsam näher. Ellis lädt Grace ein, sie auf ihrem jährlichen Besuch der Großeltern in Italien zu begleiten. Dort kommt die problematische Dynamik ihrer Freundschaft von Neuem zum Vorschein; Ellis schwankt ob Grace` Verhalten zwischen wütendem Rückzug und hoffnungsvollen Versuchen der Annäherung. Sie erinnert sich an alte Konflikte, erkundet ihre eigene Zugehörigkeit und wird sich ihrer Gefühle für Grace mehr und mehr bewusst.Was bedeutet es, sich weder in dem Land, in dem man lebt, zuhause zu fühlen, noch in dem Land, in dem man geboren wurde? Was hält Ellis und Grace zusammen? Und kann die Annäherung an Grace der Frage nach der eigenen kulturellen Identität eine Antwort geben?
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 28.04.2022
Rezensentin Judith von Sternburg bekommt in Selene Marianis Debütroman "Ellis" einen sorgfältigen Einblick in die Lebensabschnitte zwischen Kindergarten- und Erwachsenenalter der titelgebenden Protagonistin. Erzählt wird hier aus der Perspektive der Ich-Erzählerin Ellis, die, wie die in Verona und Dresden aufgewachsene junge Autorin, zwischen zwei Sprachen und Welten gefangen ist. In Miniaturkapiteln können die LeserInnen zudem beobachten, wie sich im Laufe von Ellis' Aufwachsen auch die Beziehung zu ihrer Freundin Grace verändert - es wird hier allerdings nur angedeutet, dass Ellis möglicherweise in sie verliebt ist, erklärt Sternburg. Die Rezensentin erkennt die Genauigkeit und Sorgfalt gerne an, mit der die Autorin die kurzen Szenen der Vergangenheit und Gegenwart schildert, und lobt, dass sie sich mit ihrer freien Schreibform nicht verhebt. Das ist ein Buch großer Gefühle, dass sich nicht aufdrängt aber Interesse weckt, resümiert sie.
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