Aus dem Englischen von Lisa Kögeböhn. Über die Schrecken und Wunder des Frau-werdens Südwestengland in den 90ern. Als Kind einer psychisch labilen alleinerziehenden Mutter ist es die elfjährige Sissy gewohnt, für sich allein zu kämpfen. Aber von dem Moment an, als sie sich vor Tegan, der selbstbewussten Anführerin einer Mädchen-clique, mit einem Jungen an der neuen Schule prügelt, ist sie nicht mehr einsam. Die bald besten Freundinnen teilen alles miteinander, schicken Fotos an ältere Männer in Chatrooms und verfolgen fasziniert die Berichte über Entführungen junger Frauen im Landkreis. Im Laufe des Schuljahres nähern sie sich immer mehr der Schwelle zum Frausein, sehen und spüren Veränderungen, und die mythisch-märchenhaften Fantasiewelten, in die sie sich flüchten, gewinnen an Bedeutung - mit fatalen Konsequenzen.
Hier wurde der passende Ton zum gewählten Thema gefunden: "sensibel, eindrücklich, melancholisch", findet Rezensentin Marlen Hobrack. Die amerikanische Autorin Tyler Wetherall erzählt, wie Sissy an der Schwelle zur Pubertät ihre Sexualität entdeckt, mit Außenseiterrolle und ständigem Umziehen kämpft und dabei Freundschaft und Liebe sucht. Mit Tegan entwickelt sich eine enge Bindung, in der die Mädchen spielerisch ihre Sexualität erkunden, während männliche Sexualität zunehmend bedrohlich wird. Das Motiv der "Verwandlung in ein Amphibium" symbolisiert Sissys Übergang vom Mädchen zur Frau und die Spannung zwischen Selbstfindung und männlichem Begehren. Von Anfang an steht ein unausgesprochenes Drittes zwischen den Mädchen: die Frage, ob sie sich für das männliche Begehren verwandeln, in stumme Objekte oder in sich selbst. Trotz märchenhafter Elemente zeigt der Roman tragisch, dass die innige Freundschaft zwischen Sissy und Tegan durch deren Frauwerdung und die Bedrohung durch männliche Sexualität zerstört wird, sodass es kein Zurück in die unschuldig-naive Welt ihrer gemeinsamen Entdeckungen gibt. Die Geschichte ist kraftvoll und zugleich emotional schwer.
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