Aus dem Finnischen von Stefan Moster. Als es Anna immer weniger gelingt, ihre Erinnerungen festzuhalten, und ihr Gedächtnis langsam unzuverlässiger wird, klammert sie sich an Wortlisten und erfindet Wörter für Dinge, die keinen Namen haben. Im Lauf der Jahre trotzt sie den Zumutungen des Alltags mehr und mehr mit ihrer Vorstellungskraft. Als alte Frau blickt Anna zurück auf ihr Leben, so, wie sie sich daran erinnert, an schöne wie an schwere Momente, an die Zeit in Finnland wie auch den Neuanfang mit Thomas in England. Vor allem erinnert sie sich an ihr Häuschen mit den blauen Vorhängen auf einer Schäreninsel, inmitten von Möwen, Schilf und krummen Kiefern, wo sie die Sommer mit ihrer großen Liebe Antti verbrachte - und natürlich an den Tag, an dem ein Wal durch London schwamm.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.04.2014
Für Matthias Hannemanns Geschmack kommt Selja Ahavas Roman ein bisschen zu "mädchenhaft-poetisch" daher, was immer das genau heißen soll. Die Geschichte der in einem Heim lebenden verwirrten Anna, die ihren unerfüllten Kinderwunsch mit fantastischen Geschichten über Wale in der Stadt und einen bestrumpften Gott zu kompensieren versucht, findet er allerdings durchaus originell. Und wenn der Rezensent erst gewahr wird, was alles in der kleinen Geschichte steckt - eine Liebesgeschichte, ein Beitrag zur Debatte um moderne Lebensentwürfe, das Protokoll einer Demenz - wächst sein Respekt für das Buch.
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