Aus dem Russischen von Christine Hengevoß. Sergej Maximows Erzählband "Taiga" versammelt 23 Erzählungen über das Leben im Gulag unter Stalin. Sie berichten von der tragischen Verhaftung, den Verhören in der Lubjanka, dem erzwungenen Verrat durch Freunde, den Schrecken des Transports in die Lager, von den mörderischen Bedingungen und der Schwere der Arbeit dort. Immer wieder zeigt Maximow, wie Menschen unter den Extremen des Gulags zu Tieren werden - Häftlinge, Aufseher, aber auch sogenannte "Intellektuelle": Untersuchungsrichter, Lagerleiter … Doch lässt der Autor auch die Menschlichkeit durchblicken, die gerade unter den politischen Häftlingen herrscht, und zeigt, wie sie ihre Angst überwinden, sich nicht aufgeben und versuchen ihre Würde zu bewahren.Zwangsarbeit, Hunger, Kälte, Krankheit, Gewalt und Willkür - all das hat Maximow selbst erlebt und beschreibt es in seinen Erzählungen nüchtern, fast beiläufig, was den Schrecken und das Entsetzen beim Lesen umso größer werden lässt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.10.2020
Kerstin Holm dankt herzlich für diese Ausgabe mit Erzählungen von Sergej Maximow, der den Gulag überlebte und darüber laut Holm mit der Zartheit und Tragik eines Iwan Bunin zu schreiben vermag. In der laut Holm genauen und poetischen Übersetzung von Christine Hengevoß begegnet die Rezensentin tragischen Frauengestalten von betörendem Reiz und lernt, wie sehr der Drang nach Freiheit und der nach Liebe zusammengehören. In anderen Texten führt der Erzähler Holm in die Folterkeller der Lubjanka oder bietet schaurig-komische Haftszenen. Wie Maximow die Schicksale im Band in der sibirischen Landschaft sich spiegeln lässt, scheint Holm bemerkenswert. Ein "instruktives" Glossar dient ihr zur Orientierung.
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