Der Band versammelt die späten Erzählungen Angela Rohrs aus den 1960er und 1970er Jahren. Die Manuskripte wurden 2013 im heute unzugänglichen Moskauer Memorial-Archiv aufgefunden: Der Transport ins Lager im Kriegsjahr 1942, Erinnerungen an ihre Kindheit in einer österreichischen Stadt. - Die Gulag-Texte erscheinen erstmals manuskriptgetreu, andere als Erstveröffentlichungen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.06.2024
Rezensentin Kerstin Holm begrüßt das Erscheinen der späten Erzählungen Angela Rohrs. Die österreichisch-sowjetische Psychoanalytikerin und Autorin hatte ein langes, bewegtes Leben: Aus Mähren stammend, studierte sie in Zürich Medizin, bewegte sich in dadaistischen Kreisen und emigrierte schließlich in den Zwanzigerjahren nach Moskau. Nun sind die bislang unpublizierten Erzählungen erschienen, die sie, 1957 rehabilitiert, nach ihrer Rückkehr aus Gulag und Verbannung schrieb. Sie sind der Rezensentin zufolge von einer Verpflichtung auf wahrheitsgetreuen Realismus und einer ärztlich geschulten beobachtenden Distanz, zugleich aber von geistiger Tiefe geprägt: So schildert die titelgebende Erzählung die archaischen sozialen Regeln in einem tschetschenischen Dorf, die nach einem Totschlag zur blutigen Rache verpflichten, und verbindet dies mit psychoanalytischen Einsichten zu dessen traditionell patriarchalischer Sozialstruktur. Andere Texte des Bandes lassen sich als deutschsprachige Lagerliteratur einordnen und beschreiben zum Beispiel die physische und psychische Verwahrlosung der Verschleppten auf dem Gefangenentransport, den Rohr selbst 1942 erlebte. Diese höchst lesenswerte Literatur kann Holm in Beys sorgfältiger Auswahl sehr empfehlen.
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